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12 Mythen über Cachaça - eine Klarstellung

Hauptbestandteil der Caipirinha und anerkannt als nationales Erbe, ist Cachaça voller Kuriositäten und Mythen. Als ein urtypisch brasilianisches Getränk, mit unterschiedlichsten Aromen und breiten Geschmacksrichtungen, entwickelten sich mit der Zeit Geschichten, die auch zeigen, wie wichtig das Getränk für die Brasilianer ist.

Aber welche dieser populären Weisheiten über das Getränk aus vergorenem und destillierten Zuckerrohrsaft sind wirklich wahr? Rafael Araújo, der "Cachaçaria Nacional" enthüllt einige dieser Mythen und Wahrheiten:

1 – Ein guter Cachaça ist nur der gelagerte Cachaça.
Ein weißer Cachaça, der nicht gelagert wurde, ist ein puristischer Cachaca in seiner unverfälschten Variante. Er "funktioniert" wie sein durch Holz gefärbtes Pendant - es gibt jedoch keine qualitativen Unterschiede zwischen beiden Varianten.

2 – Je länger ein Cachaça reift, desto besser ist er.
Die Lagerzeit bestimmt nicht, ob ein Cachaça gut oder schlecht ist. Generell lässt sich nur sagen, dass ein längerer Reifeprozess zu mehr Komplexität bezüglich der Sensorik führt. Letztendlich hängt alles von individuellem Geschmack ab - aber nicht von der Lagerzeit.

3 – Cachaça artesanal ist besser als der industriell hergestellte.
Der traditionell hergestellte Cachaça wird mit mehr Sorgfalt produziert. Die Alambiqueiros begleiten den gesamten Prozess der Destillation, um das Herzstück von Vor- und Nachlauf trennen zu können. Die ungewünschten Bestandteile können schädliche Stoffe beinhalten und den Geschmack beeinträchtigen. Die industriellen Prozesse sind auf die Herstellung großer Volumen ausgelegt und können systembedingt nicht mit dieser Sorgfalt umgesetzt werden. Über 500 Mio Liter Cachaça artesanal werden pro Jahr hergestellt.

4 – Cachaça sollte aus durchsichtigen Gläsern getrunken werden.
Idealerweise sieht man, was man im Glas hat, um Viskosität und Reinheit beurteilen zu können.

5 – Der teuerste Cachaça besitzt die beste Qualität.
Jeder Produzent hat seine Kosten für die Herstellung, die Flaschen und das Auftreten am Markt - hinzukommen Mehrwert- und Branntweinsteuer. Bei einem Preis von 10 Euro für eine 0,7 Liter-Flasche machen die Abgaben über 50% des Preises aus. Verpackung und Transport besitzen einen Anteil von rund 15%. So wird klar, dass das eigentliche Produkt nur eine geringe Bedeutung besitzt - und die Qualität nicht im Vordergrund stehen kann. Bei Tastings gewinnen aber nicht immer die teuersten Produkte... und eigentlich nie die Billigprodukte. Man sollte sich nicht von hohen Preisen verunsichern lassen - gerade als unerfahrener Genießer ist man geneigt, sich Maßstäbe wie Preis, Dauer der Lagerung, oder das Packaging helfend zu Rate zu nehmen.

6 – Cachaça sollte in kleinen Schlucken getrunken werden.
Gewöhnlich sollte man Cachaça in Mikro-Schlucken zu sich nehmen und langsam verkosten.

7 – Cachaça verursacht Kopfschmerzen.
Schlecht produzierte Cachaças können Kopfschmerzen verursachen. Auch gerade wenn beim Destillieren das Herzstück nicht sauber abgetrennt wird. Aber das gilt für alle Spirituosen gleich.

8 – Cachaça regt den Appetit an.
Tatsächlich erhöht Cachaça den Appetit. Aufgrund der geschmacklichen Komplexität werden die Geschmacksknospen "geöffnet" und für die Mahlzeit vorbereitet.

9 – Starker Cachaça brennt im Hals.
Tendenziell wirkt hochprozentiger Cachaça aggressiver im Hals, weil Alkohol ein hervorragendes Lösungsmittel für Aromen ist. Das "Brennen" wird aber meist von Säuren verursacht, die beim Gärprozess entstehen. Idealerweise sollte der Abgang einer Spirituose von komplexen Aromen bestimmt werden und nicht von abträglichen Alkoholen. Cachaça darf übrigens nur maximal 48% Alkohol besitzen - darüber wäre es gesundheitsschädigend.

10 – Cachaça ist unbestimmt haltbar.
In der Tat ist Cachaça unbestimmt haltbar. Allerdings können sich Alkohole und Fruchtsäuren zu Estern verbinden und so den Geschmack im Laufe der Jahre verändern. Spirituosen sollten immer dunkel und ohne große Temperaturschwankungen lagern. Keramikflaschen sind die bessere Wahl als Glasflaschen - zumindest, wenn die Flaschen nicht gleich geleert werden.

11 – Cachaça und Aguardente sind das gleiche.
Die Vorschriften regeln wie ein Cachaça beschaffen sein muss. Dazu zählt, dass Cachaça maximal 48% Alkohol besitzen darf - Aguardente darf hingegen mehr...

12 - Cachaça darf nur in Brasilien hergestellt werden.
Cachaça darf ausschließlich in Brasilien hergestellt werden. Das ist mittlerweile international anerkannt. Sowas wie BIO-Cachaça aus Dresden ist irreführendes Marketing und genauso wenig existent wie Champagner aus Thüringen. 

Master Blender gibt es reichlich, aber Frauen brennen viel zu selten.

Hierzulande ist die Frauenquote ein viel diskutiertes Thema. Was für DAX-Vorstände gilt, ist in der Branche der Destillateure fern der Realität, oder? Frauen nimmt man deutlich weniger war, als manch lauten Master Blender.


In Brasilien ist das Brennereihandwerk seit Ewigkeiten von Männerhand dominiert. Es gibt aber zwei Koryphäen, die Destillate herstellen, die zum Besten gehören, was die Szene zu bieten hat. Katia und Maria sind die Frauen, die das Handwerk von klein auf gelernt haben. Sie sind quasi mit dem Zuckerrohr groß geworden und es hat eine Weile gedauert, bis beide auch an die Kupferkessel durften. Maria produziert in Eigenregie die Marke “Maria Izabel“ in Paraty. Katia erobert sogar Amerika und seit jüngstem auch Europa mit dem “avuá“.

Seit Katia auf der Fazenda da Quinta das Ruder übernommen hat, fließt einer der mildesten und komplexesten Cachaças aus den Kupferbrennblasen. Sie sagt, "Cachaça sei in ihrer DNA". Schon als Kind sprang sie zwischen den Gärbottichen herum und inhalierte den Duft von Zuckerrohrsaft, Cachaça und Amburana-Holz. Sie lernte wie man Zuckerrohr erntet. Ein Wissen das sie heute an andere weitergeben muss. Die Landflucht in Brasilien zeigt seine Spuren und führt schon zum Fachkräftemangel auf den Fazendas. Sicher weiß jeder, dass Zuckerrohr tief abgeschnitten werden muss, sagt sie - aber was heißt tief und wie tief ist wann richtig? Die Arbeiter mochten die Einweisungen auf dem Feld nicht und erst recht nicht, dass Katia auch noch beobachtete, wie gearbeitet wird. Dabei war es ihr egal ob viel oder wenig gearbeitet wurde - viel wichtiger war ihr, dass richtig geerntet wurde.

Sie ist da sehr penibel. So engagierte sie auch einen Lebensmittelchemiker und einen Ingenieur um die Lagerung in Amburana-Holz optimal umsetzen zu können. Freunde sagen von ihr, dass alles was sie macht selten spontan ist. Ihre Entscheidungen sind immer „ausgearbeitet“. So begann sie die Alambique im Jahr 2004 umzubauen, um die Gravitationskraft nutzen zu können. Die Arbeit wurde damit weniger kraftaufwändig. Dem Zufall überlässt sie nichts. Die Qualitätskontrolle übernimmt sie selber, aber auch externe Prüfer kontrollieren Säure-, Kupfer, Saccharose-, Methanol- und Alkoholgehalt und den technischen Ablauf. Das sei ihr wichtig, weil es Sicherheit gibt.

Jetzt läuft es rund. So hat sie nicht nur Medaillen für ihren Cachaça avuá gewinnen können, sie ist auch in der Lage zu exportieren.

Wenn es Frauen geschafft haben die Verantwortung für Spirituosen zu übernehmen, dann ist es ihnen stets mit Meisterwerken gelungen. Viele sind es nicht. Die Liste der Frauen an den Kesseln ist doch recht kurz - und sie ist hoffentlich nicht vollständig: 
  • Joy Spence: Master Blender, Appleton Estates Rum, Jamaica
  • Bridget Firtle: Owner/Distiller, The Noble Experiment, Brooklyn
  • Pierrette Trichet: Cellar Master, Rémy Martin Cognac
  • Rachel Barrie: Master Blender, Morrison Bowmore in Schottland
  • Joanne Moore: Master Distiller von Bloom London Dry Gin,
  • Melanie Asher von Macchu Pisco in Peru,
  • Sonja Kassebaum aus Chicago’s North Shore Distillery,
  • Laura Dierks im Brooklyn’s Van Brunt Stillhouse und
  • Maggie Campbell, Head Distiller in Ipswich, bei Privateer Rum


Zuckerzusatz hat in Rum und Cachaça nichts verloren, oder?


Ein beliebtes Spiel bei Cognac-, Rum- und Cachaça-Produzenten ist die Zugabe von Zucker. Warum eigentlich?

Zucker weckt im Menschen archaische Reflexe. Selbst wenn wir an Übergewicht leiden, lassen wir uns vom Zucker verführen. Je mehr Zucker wir zu uns nehmen können, desto besser. Aus diesem Grund kommt die Industrie kaum daran vorbei, Zucker in Limonaden zu verwenden. Tonic war früher im wahrsten Sinne eine Bitterlimonade - heute enthält sie Zucker (z.B.: Thomas Henry und Schweppes, Indian Tonic: 9 gr). 
Brasilien gewann erst durch das Zuckerrohr an Bedeutung für Portugal. Bevor das Zuckerrohr Reichtum brachte, war das Holz "Pau Brasil", das einzige, was den Kolonisten etwas Geld versprach. In Zeiten, in denen die begehrtesten Frauen gegen Zucker aufgewogen wurden, gab es die süßen Träume nur für die Boheme. Heute ist Zucker billig und überall verfügbar - und die Caipirinha wird nicht mehr mit Honig zubereitet.

Unser instinktives Geschmacksmuster lässt gezuckerte Spirituosen milder erscheinen und es retuschiert die Ecken und Kanten. Zucker ist ein schönes Dopingmittel - auch für das Verkaufspotential. Spirituosen können weich gespült werden und tauschen Charakter gegen Massentauglichkeit.

Coca-Cola zum Beispiel hat knapp über 100 gr/ Liter. Hier verschwimmt die Grenze schon zum Likör, der mindestens 100gr Zucker beinhalten muss - und natürlich Alkohol.

Als es vor rund 50 Jahren möglich war, Destillate in großen Mengen produzieren zu können, sank der Preis enorm. Kleine Hersteller mit aufwändigen Produktionsmethoden waren zwangsweise die Verlierer. Unzählige Destillerien wurden aufgegeben oder fusionierten, um die Kosten senken zu können. Statt der klassischen Kupferbrennblase kam jetzt die effizientere Edelstahlkolonne zum Einsatz und der Gärprozess, der die Basis für die Aromenerschließung darstellt, wurde mit Turbohefen auf 6 Stunden reduziert. Kurzum die Qualität sank - mehr noch als der Preis.

Die schlechtere Qualität wurde kaschiert: durch die Zugabe von Zucker zum fertigen Destillat. In Brasilien darf man bis zu 6 gr Zucker/ Liter hinzufügen, ohne dass es deklariert werden muss. Wer mehr verwendet, muss das Wörtchen "adoçada" aufs Etikett schreiben. In Deutschland gilt diese Vorschrift nicht - weshalb die Angabe auf dem Weg hierher schon mal verloren geht. Ein Cachaça darf aber trotzdem nur bis maximal 3% Zucker beinhalten - also 30 Gramm/ Liter.

Wie sieht es ab er beim Rum aus? Es gibt einige Sorten, die ohne Zucker auskommen. Es gibt aber laut Refined Vices auch Rumsorten mit ordentlich Zucker:
  • El Dorado 12 Jahre: 41 gr
  • Diplomatico/ Botucal Reserva Exclusiva: 41 gr 
  • Rum Plantation 20th Anniversary Extra Old: 29 gr
  • Zacapa XO: 26 gr 
  • Rum Plantation Grande Reserve Barbados: 22 gr
  • Angostura 1919: 14 gr
  • weitere Sorten:
Bei Cognac dürfen bis zu 3% Zucker zugesetzt werden - also pro Liter 30 gr. Bei derartig viel Zuckereinsatz - ohne Deklarierung - stellt sich die Frage, ob dies noch im Sinne des Verbrauchers sein kann. 

Bei Herstellern hochwertiger brasilianischer Destilate ist der Zusatz von Zucker verpönt. Er wäre das Eingeständnis, dass die Qualität suboptimal ist. In Deutschland gibt es einige brasilianische Destillate mit dem Zusatz "adoçada": Berro d'Agua, Velho Barreiro, Cachaça 51 sind nur einige Sorten.

Ein Destillat, dass in Berlin beim 4. German Rum Festival ohne süßenden Zusatz überzeugen konnte, ist der SALIBOA, der  in Berlin als bester Cachaça ausgezeichnet wurde. Er reift 5 Jahre in einem Holz, dass sich Ipê amarelo nennt. Mit 45,5% Alc ist er der stärkste Cachaça in Deutschland.

TOP 20: Seleta und Boazinha auch 2014 unter den besten Cachaças

Auch 2014 ist wieder ein Jahr, in dem der Seleta zu den besten Cachaças gehört.

Im September 2014 waren 4124 Cachaça-Marken im Landwirtschaftsministerium offiziell registriert. Rund 25.000 Hersteller produzieren in Brasilien entweder allein oder in Cooperativos und einige mehr produzieren auch ohne Genehmigung.

Die Jury 'Cúpula da Cachaça' wählte von den 4124 registrierten Marken 250 Cachaças aus, die zugegebenermaßen hohe Qualitätsanforderungen  erfüllen mussten. So wurde die Spreu vom Weizen getrennt. Pitû, 51, Velho Barreiro, Lanius, und Delicana findet man nicht unter den 250 auserwählten Sorten. Nach eingehender Analyse wurde die Auswahl für das große Finale auf 20 Sorten reduziert, zu denen auch Boazinha und Seleta gehören.

Was auffällt, ist, dass die globalen Marken, die im Supermarkt zu finden sind, nicht den Anforderungen der Jury bezüglich der Qualität entsprechen. Dank der Globalisierung kann eine Marke heute weltweit vertrieben werden. Damit einher geht zwangsweise die Massenproduktion, die nach Effizienz und schnellen Herstellungsverfahren verlangt, um billig anbieten zu können. Dank der großen Mengen lassen sich die Kosten deutlich senken, dazu bedarf es aber industrieller Herstellungsverfahren.

Das heißt man braucht einen Rohstoff, der in erster Linie viel Saft liefert. Bei Cachaça also Zuckerrohr. Wichtig ist, dass der frische Saft schnell verarbeitet werden kann. Man setzt also Turbohefen ein, die die Gärzeit auf 4 bis 6 Stunden reduzieren und den Alkoholgehalt des "Weines" auf bis zu 20% erhöhen. Aromen können bei dieser Geschwindigkeit kaum aufgeschlossen werden - was den Vorteil hat, dass man auf aromenreiche Zuckerrohrsorten verzichten kann. Die anschließende Destillation im kontinuierlichen Verfahren erfolgt in Edelstahlkolonnen. Innerhalb kurzer Zeit ist der Cachaça entstanden, der fast frei von Aromen ist, dafür aber auch fast nichts kostet. Im schlimmsten Fall wird auf die Reifung in Holzfässern verzichtet und  stattdessen Karamell und Zucker eingesetzt. Ein Liter kostet in der Herstellung weniger als ein Euro.


Bei den industriellen Spirituosen, ähnelt sich die Herstellung. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Whiskey, Rum oder Cachaça handelt. Lediglich der Basisrohstoff variiert. Bacardi, Johnny Walker und Aperol sind globale Marken geworden, die heute in jedem Supermarkt zu finden sind. Pitû war der erste Cachaça in Deutschland und ist auch heute noch der Cachaça mit dem höchsten Absatz.

Wie gelingt es aber eine Spirituose herzustellen, die die Gaumen qualitätsverwöhnter Juroren begeistert? Die Fazenda Seleta produziert ausschließlich auf traditionelle Weise - betont der Inhaber Antônio Rodrigues. Aber was heißt das?

Das beginnt beim Anbau spezieller Zuckerrohrsorten, nicht nur auf die zu produzierende Saftmenge optimiert werden, sondern vielmehr auf die Aromatik des Saftes. Die Ernte erfolgt ohne Einsatz von Feuer, um das Zuckerrohr nicht durch Hitze zu beschädigen. Der Saft des Zuckerrohres wird mit natürlichen Hefen vergoren, um damit auch die wichtigen Aromastoffe erschließen zu können. Dieser Prozess dauert ungefähr 4-mal länger als mit Turbohefen. Der entstandene Wein wird zeitintensiv in Kupferbrennblasen destilliert. Dazu gehört die Trennung des Destillates in drei Teile. Vor- und Nachlauf sind nicht brauchbar - nur der Mittelteil findet Verwendung und darf dann noch mindestens 2 Jahre in Holzfässern ausruhen, bevor er in Flaschen abgefüllt wird.

In Brasilien heißt es: „ Ein guter Cachaça ruht mindestens 3 Monate, bevor er in Flaschen abgefüllt wird.“ - Ein Luxus, der industriellen Destillaten meist vorenthalten wird. Durch die Lagerung finden Veresterungs- und Oxidationsprozesse statt, die den Geschmack der Spirituose merklich verändern - sie verlieren ihre Aggressivität und werden weicher.

Seleta und Boazinha sind nicht die billigsten Cachaças und auch nicht die, mit der größten Herstellungsmenge - aber auf vorderen Plätzen zu finden, wenn es um Geschmack geht. Sie spielen in einer anderen Liga. Beim GERMAN RUM FESTIVAL 2014 gewann ebenfalls ein Cachaça artesanal. Der SALIBOA wurde mit GOLD ausgezeichnet.

Seleta: Schirme gibt es woanders - Wir können nur Cachaça

Das Einmaleins der Cachaça-Herstellung beherrscht man in der Brennerei Seleta & Boavista im Schlafe. Die Feinheiten und Raffinessen hat man sich in Zusammenarbeit mit dem ersten Cachaça-Institut Brasiliens erarbeitet. In Salinas, der Hauptstadt Brasiliens - wenn es um Destillate aus Zuckerrohr geht - hat sich eine eingeschworene Gemeinde gebildet, die ausschließlich traditionelle Methoden für die Cachaça-Herstellung verwendet. 
Industrielle Methoden lehnte man von Anfang an ab. Als in den 70iger Jahren die Produktion vereinfacht werden konnte und Technik es ermöglichte, große Mengen zu produzieren, hielt man an der langsamen Gärung fest und verwendete weiterhin die bewährten Kupferbrennblasen zur Destillation. 

Auch das Zuckerrohr erntet man heute noch mit der Hand, obwohl es mittlerweile Maschinen dafür gibt. Der Vorteil der Ernte mit der Hand ist, dass das Zuckerrohr umgehend ausgelesen werden kann - also nur gesundes und reifes Zuckerrohr zum Auspressen verwendet wird.
Als in Brasilien billige Industrieware die Supermärkt eroberte, setzte man Qualität gegen die niedrigen Preise. Hatten die kleinen traditionellen Brennereien früher ihren Cachaça nur regional verkauft, bekamen sie nun Druck von überregionalen Massenproduzenten, für die es notwendig war, größere Absatzgebiete zu schaffen, um die produzierte Menge auch verkaufen zu können. Dadurch entstand ein enormer Preisdruck. Viele kleinere Brennereien konnten im Wettlauf um den günstigsten Cachaça nicht mithalten und mussten die Produktion einstellen. Der Preisdruck führte zu immer weiteren Kostensenkungsmaßnahmen. Cachaça wurde nicht mehr in Holzfässern gereift, stattdessen wurden Holzpallets verwendet und statt der langsamen Gärung, wurden Turbohefen eingesetzt, die 4-mal schneller Alkohol entwickelten. Letztendlich sank die Qualität und der Preis.

Eines dieser Industrie-Beispiele ist Pitú - ein Cachaça, der 1972 erstmalig auf dem deutschen Markt angeboten wurde. Um ihn bekannt zu machen, setzte der Importeur in Deutschland auf die Caipirinha. Das heißt man brauchte neben Limetten auch viel Zucker, der natürlich so billig wie möglich sein sollte. Da der braune billiger als der originale weiße Zucker war, führte man in Deutschland die Caipi entgegen den brasilianischen Ursprüngen mit braunem Zucker ein - und manch einer glaubt auch heute noch, dass der braune Zucker das Original sei.
Im Zuge der Massenproduktion wurde Marketing immer wichtiger. Der Verkauf von industriellen Spirituosen wird mit riesigen Werbefeldzügen begleitet - Schirme, Barmatten, Gläser und Cocktailwettbewerbe werden kreiert, die den Wert der Spirituose in den Hintergrund rücken lassen. Geschichten, werden gestrickt, bei denen man nicht weiß, ob sie wie bei Jack Daniels Märchen sind oder es werden Werbeaussagen wie im Fall von Zacapa gemacht, die schon die Legalität verlassen haben.

Seleta kann es sich hier einfach machen. Da man nach wie vor Holzfässer für die Reifung einsetzt und Reinhefen verwendet, die mehr Aromen erschließen als jede Turbohefe, kann man auf die Qualität des Produktes setzen. Die Verkaufsbotschaft ist dann auch ganz einfach: Lass die Leute probieren: wenn es schmeckt, dann werden sie es kaufen. Wer also einen authentischen Cachaça probieren möchte, dem sei der Seleta auf ehrliche Weise empfohlen. [Google-Suche]


Cachaça artesanal versus industrial

Ein kurzer Film über den Unterschied zwischen Cachaça artesanal und dem industriellem Zuckerrohrdestillat. Gefunden auf www.jericoa.eu. In 9:14 Minuten wird auf portugiesisch der Unterschied gezeigt.

Stabilitätspakt für Rum und Cachaça

Demnächst wird in einigen Regionen Brasiliens die Zuckerrohrernte beendet werden. Zeit, um zurückzublicken. Brasilien ist für 50 Prozent des weltweiten Zuckerhandels verantwortlich. In der Hauptanbauregion für Zuckerrohr, die für etwa 90 Prozent der brasilianischen Zuckerproduktion steht, wird wohl 2010 weniger geerntet werden, als zunächst erwartet war. 
So stellt sich die Frage, in welche Höhen sich der Zuckerpreis aufschwingt. So ist es kein Wunder, dass die Börse die psychologisch wichtige Marke von 30 Cents unbedingt testen will.

Es gibt einfache Gesetze in der Wirtschaft, die sogar ab und an funktionieren. Adam Smith formulierte 1776 das Postulat der unsichtbaren Hand - den Ausgleichsmechanismus von Angebot und Nachfrage. Es besagt, dass über diesen Mechanismus der Preis am Markt geregelt wird.

Das ist derzeit bei der Preisfindung für Zucker zu beobachten. "Klar, der Zuckerpreis ist hoch, das hat etwas mit der Sorge darüber zu tun, dass die brasilianische Zuckerrohrernte geringer als erwartet ausfallen wird" bestätigt ein Analyst von VTB Capital.

Auf dem abgeschotteten europäischen Markt werden diese Preisveränderungen eher eine untergeordnete Rolle spielen. Allerdings dürften sich die Freunde des Zuckerrohrdestillates mit den Preiserhöhungen auseinandersetzen dürfen.

Je höher der Preis des Zuckers, desto weniger wird Zuckerrohrsaft vergoren und destilliert - es sei denn auch die Erzeugerpreise für Cachaça und Rum steigen ebenfalls.

Der Preisauftrieb für die Konsumenten in Europa könnte nur von einem starken Euro gedämpft werden - nur dann könnten die Kosten für die Destillate im Euro-Raum weniger hoch ausfallen. Für einen starken Euro wird aber auch ein glaubwürdiger europäischer Stabilitätspakt gebraucht - und über den wird gerade verhandelt. Nach dem sich die Kanzlerin schon von Frankreich erweichen lassen hat, steht zu befürchten, dass Cachaça und Rum nun teurer werden.

Ein höherer Cachaça- und Rum-Preis würde den kleineren und mittelständischen Bauern ein höheres Einkommen verschaffen. Dazu muss das Geld aber in die kleineren Brennereien fließen. Ein Industrie-Destillat wird die Erlöse aus der Preissteigerung nur auf einige Betriebe verteilen. Voraussetzung ist aber, dass sich die Preissteigerungen auch am Markt durchsetzen lassen. Sollte der Konsument keine höheren Preise akzeptieren und statt Rum lieber Whisky und Wodka trinken, dann wird auch bald wieder der Zucker billiger - denn es gibt einfache Gesetze in der Wirtschaft, die sogar ab und an funktionieren.

Man darf also - vielleicht auch bei einem Glas Cachaça - die Diskussion um den Euro verfolgen.

Die Eiche wird heimisch - in Brasilien

Spirituosen werden gern in Holzfässern gereift. Ganz populär ist da die Eiche: ob Rum, Bourbon, Cognac oder Whisky - alle nutzen das Holz, das Vanille - und Honig-Aromen abgibt und dafür sorgt, dass der Säuregehalt des Destilltes spürbar sinkt.

In Brasilien wurde das Holz der Eiche seit dem Anfang der Cachaça-Produktion genutzt, um in ihm das Destillat aus frischem Zuckerrohrsaft aufzubewahren. Die Portugiesen schickten ihren Rotwein seit 1500 in die neue Kolonnie, in der er besonders gern von der neuen Oberschicht genossen wurde. Die leeren Fässer eigneten sich bestens, um den produzierten Cachaça aufzubewahren. Als sich auch noch herausstellte, dass der darin aufbewahrte Cachaça beliebter war und teurer verkauft werden konnte, als das junge ungereifte Destillat, war der Siegeszug der Eichenfassreifung auch in Brasilien nicht mehr aufzuhalten.

Die Eiche ist somit - man mag es kaum glauben - eine sehr typisch brasilianische Methode der Cachaça-Reifung.

Mittlerweile ist die Eiche in Brasilien heimisch geworden und gedeiht prächtig. In der Reifung spielt sie nach wie vor die bedeutendste Rolle: rund ein Viertel der Destillate wird darin gereift.

Insgesamt dürfen derzeitig 25 Holzsorten offiziell verwendet werden. Hölzer wie Louro Canela, Bálsamo, Itiuba und Grápia geben einen ganz eigenen Geschmack und sind sogar noch etwas länger in Brasilien beheimatet.

Eine Auswahl von Cachaças, die in Eiche reiften, gibt es hier.

Alkoholgehalt von Cachaça

Ein guter Cachaça braucht nicht mehr als 38% Alkohol.

Es lebe die Vielfalt: Ein brasilianischer Brennereibesitzer erzählte auf der BIOFACH in Nürnberg, dass nur ein schlechter Cachaça viel "Rohstoff" brauche - und meinte damit den Alkoholgehalt. Ein Alkoholgehalt von mehr als 44% spreche seiner Meinung nach eher für ein minderwertiges Destillat.

Das ist ein interessanter und ziemlich seltener Standpunkt - da es auch Meinungen gibt, die besagen, dass ein hoher Alkoholgehalt Hintergrundaromen besser zur Geltung bringt - ein Destillat also komplexer schmeckt. Begründet wird dies damit, dass Alkohol ein Lösungsmittel ist, welches Aromen aufnehmen kann - je mehr sich also von diesem Lösungsmittel im Destillat befindet, desto intensiver der Geschmack.

Das brasiliansiche Gesundheitsministerium begrenzt den Alkoholgehalt von Cachaça auf maximal 48%. Ab 49% bis 54% Alkohol spricht man von Aguardente und darüber von Alkohol aus landwirtschaftlicher Produktion.

Ein Cachaça muss mindestens 38% besitzen und kann mit diesem Alkoholgehalt auch geschmacklich überzeugen - muss er aber nicht... In Brasilien werden oft Destillate produziert, die bis zu 48% Alkohol besitzen.

Minderwertige Destillate besitzen oft nur den gesetzlich vorgeschriebenen Alkoholgehalt - denn neben den Herstellkosten ist die Branntweinsteuer ein signifikanter Kostenfaktor.

Rhum agricole und Cachaça sind doch das Gleiche, oder?


Rhum agricole und Cachaça werden beide aus frisch gepresstem Zuckerrohr hergestellt und haben geschmacklich auch vieles Gemeinsam. Wo verläuft also die Grenze zwischen Rum und Cachaça?
Ein Destillat aus frischem Zuckerrohrsaft, das an der Luft vergoren und dann destilliert wurde, wurde erstmals in Brasilien hergestellt. In der Gegend von São Paulo liegen die gemeinsamen Wurzeln für das Zuckerrohr-Destillat, das erstmalig 1532 hergestellt wurde und das einmal den amerikanischen Kontinent dominieren sollte. Es besaß einen Alkoholgehalt von rund 20% - hatte also kaum Ähnlichkeiten mit heutigen Spirituosen. Einen konkreten Namen gab es auch erst sehr viel später. Bis in das letzte Jahrhundert hinein wurden hunderte Namen verwendet – die auch heute noch umgangssprachlich verwendet werden. Man tat sich schwer mit der Findung eines einheitlichen Namens.
Vielleicht ist das die Ursache dafür, dass ein Herstellungsverbot für Cachaça der portugiesischen Kolonialmacht im 17. Jahrhundert dazu führte, dass trotzdem die Zahl der Destillerien stieg – man wusste einfach nicht, wie das genau hieß, was da verboten war. Aber das ist nur Spekulation... zurück zu den Tatsachen.
Selbst 1908 wurde noch die Ortsbezeichnung „Paraty“ als Bezeichnung für Cachaca in einem holländischen Wörterbuch aufgeführt. Damals hieß es oft: „vamos tomar uma paraty – gehen wir einen Paraty trinken...“. Cognac, Rum und Whiskey hatten sich da schon längst einen Namen gemacht. Als in Ouro Preto 1698 Gold gefunden wurde und die Stadt zur größten Metropole der südlichen Hemmisphäre aufstieg, entwickelte sich die Hafenstadt Paraty zur „Welt-Hauptstadt“ für Zuckerrohrbrand.
Ein Destillat mit dem Namen Rhum agricole taucht erstmals auf den Antillen im Jahr 1694 auf. Die heutige Definition von Rhum agricole geht auf die Vorschrift zur Herstellung des Institutes AOC (Appellation d'Origine Côntrollée) aus dem Jahr 1996 zurück. Allerdings ist diese nur für Martinique gültig. Für die anderen karibischen Inseln hat das keine Verbindlichkeit - allerdings orientieren sie sich an den Regelungen in Martinique. Seit 1996 gibt es eine geschützte Herkunftsbezeichnung für Rhum agricole aus Martinique: "AOC Martinique" mit dem Zusatz "Rhum agricole". Er darf nur dort hergestellt werden. Allerdings gibt es Rhum agricole auch aus Haiti, Guadeloupe und anderen karibischen Inseln.
Für Cachaça, der nur in Brasilien hergestellt werden darf, stammt die aktuelle Definition aus dem Jahr 2003. Rum – aus Melasse – wurde um 1620 erstmalig in Barbados hergestellt. Als die holländische Besatzung des brasilianischen Nordens beendet wurde, flüchteten die Besatzer nach Barbados und versuchten sich dort erfolgreich an der Rumherstellung.



Cachaça
Rhum agricole
Zuckerrohr
600 Sorten
12 Sorten (Familie: Java)
Fermentation
Verwendung von zwei Hefestämmen:
Schizosaccharomyces und
Saccharomyces
Verwendung nur von einem Hefestamm: Schizosaccharomyces – weniger Aromen, dafür leichter
Destillation
Kupferbrennblase und Edelstahlkolonne
Edelstahlkolonne mit 5 bis 9 Glockenböden
Höhe: 90 bis 180 cm
Reifung
keine Vorschrift
mindestens 3 Monate in Edelstahltanks oder Holz
Alkohol-
gehalt
38% - 48%
40% - 60%
Reifung
25 verschiedene Holzsorten
nur Eiche
Weitere Kategorien
Cachaça artesanal: Destillation nur in Kupferbrennblasen, kein Zusatz chemischer Hilfsstoffe
Cachaça envelhecida: mindestens. 1 Jahr in Fässern mit 200 – 700 Liter Fassungsvermögen
Rhum paille/ ambré muss mindestens 18 Monate in Eichenfässern lagern.
VO mindestens 3 Jahre
VSOP mindestens 4 Jahre
XO mindestens 6 Jahre
mit 180 – 650 Liter Fassungsvermögen


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Cachaça eine Mannigfaltigkeit bietet, die die des Rhum agricole übersteigt. Die Verwendung verschiedener Hefen bei der Fermentierung und die Destillation in Kupferbrennblasen, sprechen für den aromatischeren Cachaça. Die Reifung wird allerdings auf Martinique und den anderen karibischen Inseln viel intensiver betrieben, als in Brasilien. Der Vorteil von Rhum agricole ist, dass durch die starke Reglementierung der Herstellung ein relativ einheitliches Produkt entsteht – man weiß, was man erwarten kann. Obwohl Alkohol prinzipiell ein Zellgift ist, kann ein höherer Alkoholgehalt wie beim Rhum agricole auch dafür sorgen, dass Hintergrundaromen intensiver zum Tragen kommen. Bei Cachaça ist die Bandbreite viel größer.

Rhum agricole darf überall hergestellt werden – Cachaça nur in Brasilien. Während heute 7 Brennereien auf Martinique und eine weitere Handvoll auf anderen karibischen Inseln existieren, sind 30.000 mit der Cachaça-Produktion in Brasilien beschäftigt.

Fundstücke: Worüber man sich so wundern muss….


Das Netz bietet viele Informationen - leider auch ein paar kuriose. Hier ist so ein Fundstück:

"Ein optimaler Cachaça wird nicht in Eiche gelagert!"

Die Eiche ist kein Holz, dass nun typisch für Brasilien ist. Aber: Eiche war historisch gesehen schon immer ein wichtiges Holz für Spirituosen - auch für Cachaça. Die portugiesische Kolonialmacht transportierte den Portwein in Eichenfässern für den Adel nach Brasilien. Die Fässer wurden dann zur Lagerung von allen möglichen Flüssigkeiten genutzt. Leider verfärbte sich der Cachaça darin - was man zunächst sehr bedauerte. Erst als sich der gelagerte brasilianische "Rum" teurer verkaufen ließ - war der Durchbruch der Eichenreifung auch in Brasilien zu verzeichnen. Erst als Transportmittel, dann als Mittel der Veredlung von Spirituosen gewann die Eiche ab dem 17. Jhr. weiter an Bedeutung.
Der Chemiker sieht in Eichenholz ein sehr gut geeignetes Holz für die Reifung von Spirituosen, da es eine hohe oxidative Wirkung hat, Geschmacksstoffe wie Vanille und Honig freisetzt und sehr beständig ist. In Brasilien sind 25 Holzsorten zur Reifung zugelassen. Keine andere Spirituose kann mit so einer Vielfalt an Hölzern aufwarten.

Nur noch hartgesottene Brasilianer bestehen darauf, dass die Nationalspirituose in einheimischen Hölzern gereift wird.

Cachaça artesanal - Herstellung im Video

Impressionen der Herstellung

Aufwand für guten Geschmack
manuelle Ernte des Zuckerrohres
Fermentierungszeit mindestens 15 Stunden
Destillation in Kupferbrennblasen

Tag des Cachaças

Internationaler Feiertag des Cachaças - wann ist dieser?

22. März Tag des Wassers, das der Vogel nicht trinkt (Brasilien)
12. Juni International Day of Cachaça (USA)
21. Mai Dia de Cachaça (Brasilien)

In den USA wurde der 12. Juni etabliert - Hintergrund ist das angebliche und historisch schwer belegbare Verbot der Cachaça-Herstellung. Dieses soll am 12. Juni 1744 durch den König von Portugal Johann V. (João V.) veranlasst worden sein. Dagegen spricht, dass ein Viertel der zwischen 1710 und 1830 eingetauschten Sklaven laut Henrique Carneiro (Pequena Enciclopédia das Drogas e Bebidas) in Angola gegen Cachaça eingetauscht wurden.
Weiterhin bezog man damals Steuern aus der Cachaça-Herstellung. 1755 wurde Lissabon durch ein Erdbeben fast vollständig zerstört - 60.000 Menschen kamen ums Leben. Allein aus den Steuereinnahmen der Cachaça-Produktion konnte ein Großteil der Wiederaufbauarbeit finanziert werden.

1635 wurde der Handel von Cachaça erstmalig in Brasilien verboten - 4 Jahre später dann auch die Herstellung. Allerdings brauchte die portugiesische Krone Geld für den Erbfolge-Krieg mit Spanien. Eine Steuerreform 1640 führte zur Aufhebung der Verbote, belastete die Zucker- und Cachaça-Produzenten jedoch finanziell. Die hohen Steuern führten zur Cachaça-Revolte in Rio de Janeiro 1660. Nachdem diese niedergeworfen war, wurde 1661 der Verkauf von Cachaça in Brasilien verboten. Cachaça konnte jetzt nur exportiert werden: hauptsächlich nach Angola. In dieser Zeit gingen viele Destillerien pleite - nur in São Paulo und Pernambuco überlebten mehrere.
1695 wurden die Beschränkungen aufgehoben und der Cachaça wurde wieder Teil des Alltages. Nach dem 1693 Gold in Minas Gerais gefunden wurde und sich Ouro Preto zur größten Stadt der südlichen Hemisphäre entwickelte, genoss man Cachaça wieder in rauen Mengen. Steuererhöhungen sollten den Konsum einschränken. 1714 wurde der Neubau von Brennereien verboten - drakonische Strafen wurden verhängt. 1718 mussten sich alle Zuckerproduzenten lizenzieren lassen.

Trotz dieser Einschränkungen vergrößerte sich im Bundesland Minas Gerais die Zahl der Hersteller. 1739 wurde der Verkauf von Cachaça durch weibliche Verkäuferinnen verboten. Aber auch das ließ die Cachaça-Quellen nicht versiegen...

1739 wurde es ein portugiesisch-königliches Privileg die Lizenzen zur Cachaça-Herstellung vergeben zu dürfen. Die gesamten Restriktionen blieben bis 1827 in Kraft: erfolglos - Dom Pedro I. hob sie auf...

Wäre dieses Datum nicht besser als Feiertag geeignet?

Cachaça bald Brazilian Rum?

Seit dem 4. März wird im brasilianischen Nationalkongress über die Rahmenbedingungen für die Cachaça-Herstellung beraten. In den verschiedenen Ausschüssen des brasilianischen Parlaments werden verschiedene Aspekte, wie die Besteuerung der Produktion (IPI), die Zusammenarbeit in Kooperativen, den Vertrieb des Destillates und die Art der Herstellung an sich beraten. Ziel ist es auch, zu vermeiden, dass Ausländer in Brasilien selber mit Cachaça handeln. So soll in Zukunft das Landwirtschaftsministerium eine Autorisierung für den Handel erteilen. Es wird überlegt, den Steueranteil der Herstellung (IPI) von derzeitig 60% auf 5-10% zu senken. So soll die Schwarzbrennerei eingedämmt werden.

Spannend wird sein, wie die Verordnungen die industrielle Massenproduktion und die traditionelle Herstellung behandeln werden. Nach ersten Stellungnahmen ist zu befürchten, dass der Gesetzesrahmen auf die Massenherstellung zugeschnitten ist. Cesar Rosa - Präsident des Instituto Brasileiro da Cachaça (IBRAC) ist der Meinung, dass Cachaça gleich Cachaça ist und vergleicht dies mit Rum und Tequila. Da gebe es auch keine Differenzierung in Massenproduktion und handwerklich produzierte Destillate.

Für das Ausland erscheint die Fragestellung, ob Cachaça in Zukunft nicht als Brazilian Rum vermarktet werden soll, am wichtigsten. Der weltweit am meisten getrunkene Cocktail - die Caipirinha - soll ebenfalls standardisiert werden und per Gesetz einen Alkoholgehalt von 15-16% besitzen dürfen.

Es besteht die Gefahr der Überregulation.... aber nichts wird so heiß gegessen, wie gekocht wird und bevor das Gesetz in Kraft tritt, wird noch viel Wasser den Amazonas herunter fließen...

Cachaça ist kein Rum

Cachaça ist kein Rum! Eigentlich eine Binsenweisheit und nicht der Erwähnung wert, wenn nicht Bestrebungen existieren würden, genau dies zu ändern.

In Brasilien wird in Regierungskreisen überlegt, ob man Cachaça als Brazilian Rum bezeichnen soll. Es soll ein neues Siegel eingeführt werden, um den Export des destillierten Zuckerrohrsaftes verstärkt promoten zu können. Wenn die damit verbundenen Verarbeitungsrichtlinien eingehalten werden, darf das Produkt dann als Brazilien Rum bezeichnen werden.

Nicht mehr erlaubt werden soll demnach die doppelte Destillation. Dabei gibt es durchaus hochwertigen Cachaça, der doppelt destilliert wird. Beispielhaft sei hier auf den BiBucco aus dem Hause Casa Bucco verwiesen. Das Erhitzen des Zuckerrohrsaftes, um Keime eliminieren zu können soll ebenso untersagt werden. Dies erscheint besonders kritisch, da Zuckerrohr für viele Schädlinge und Keime eine ideale Basis bietet. Durch das Erhitzen können diese leicht und auf biologisch verträgliche Art beseitigt werden. Alternativ müssten dann andere Substanzen eingesetzt werden, um den Zuckerrohrsaft keimfrei weiterverarbeiten zu können. Viele Brennereien, die auf hochwertigen Cachaça Wert legen, erhitzen einfach und wirkungsvoll den Zuckerrohrsaft.

Bei diesem Vorhaben wird nicht auf die Qualität der Verarbeitung eingegangen. Es macht nach diesen Vorschriften kein Unterschied, ob der Cachaca aufwändig oder als billige Massenware hergestellt wird. Es ist zu befürchten, dass Brazilian Rum vielleicht schon bald als Synonym für billigen Industrie-Fusel aus Brasilien steht.

Cachaca artesanal

Prinzipiell gibt es für Cachaça zwei Herstellungsmöglichkeiten - ein industrielles und ein traditionelles Verfahren. Das industrielle führt zu Produkten, die in großen Mengen hergestellt und in Supermärkten zu finden sind. Diese werden schnell und billig produziert ohne das sich das Potential des Zuckerrohres entfalten kann.