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Obstler aus Zuckerrohr

Der Praianinha ist kein Obstler, er ist ein traditionell hergestellter Cachaça! Beim blinden Verkosten würde er eher als Obstler eingestuft werden, als als Cachaça durchgehen. Eine Tatsache die auch die Juroren des 7. German Rumfestes irritierte, dennoch wurde er mit Bronze ausgezeichnet. 

Er wird von erstaunlich vielen Fruchtaromen dominiert - Himbeere und Marille sind recht schnell zu identifizieren. 

Aber er kommt nicht aus dem Schwarzwald, er kommt aus einer der älteren Brennereien im Umland von Rio de Janeiro, die Anfang des Jahrtausends mit modernem Equipment ausgestattet worden ist. 

Auch wenn die typischen Zuckerrohrnoten eher dezent wahrnehmbar sind, ist er ein klassischer Vertreter der brasilianischen Nationalspirituose. So zeigt der Praianinha, dass die 600 Zuckerrohrsorten Brasiliens ein wahrer Aromenschatz sind, der sich in vielen Cocktails verwenden lässt. 

Gebrannt wird das Destillat in Kupferbrennblasen und danach 6 Monate in Edelstahl gelagert, damit sich die Aromen sanft entfalten können. 

Erhältlich ist er im Fachhandel und beispielsweise bei Casa Cachaça.


So sehen die aktuellen Winter-Cocktails in Rio aus!


William Baron: Biriba
Die brasilianische Zuckerrohrspirituose ist in den gehobenen Bars von Rio de Janeiro Basis für simple und einprägsame Rezepte, die in Erinnerung bleiben. So unterschiedlich wie die Cachaças, so vielfältig sind die Kreationen der Barkeeper.

Hier also 4 Inspirationen - und wer gerade in Rio de Janeiro weilt, kann die folgenden Winter-Cocktails  auch vor Ort im Winter Brasiliens testen. 

"Heritage" Barkeeper William Baron, der das Haus vor kurzem verlassen hat, nimmt für den "Biriba" Leblon Cachaça, karamellisiertes Apfelpüree, eine Zimttinktur, Blaubeeresaft und dehydrierte Limette. 
Miguel Paes: Bipolar
Adresse: Rua Pacheco Leão, 724, Jardim Botânico, ☎ 3114-7691.


Im "Som de Rock", 
kreierte Barkeeper Miguel Paes den "Bipolar", mit gereiften Cachaça, Maracuja-Sirup, Aprikosenlikör und Limettensaft, finished mit schwarzem Pfeffer. Adresse: Rua Assis Bueno 26, Botafogo, ☎ 3507-5600.


Das charmante "Deck" im Planetarium kombiniert mit dem "Gabriela": Cachaça, Zuckerrohrsirup und Melasse-Chips, Ingwersirup, Limettensaft, Cashew-Saft und Melasse.
Rodrigo Azevedo: Gabriela
Adresse: Rua Vice-Governador Rubens Berardo, 100, Gávea, ☎ 3259-0255.


Serviert in einer Melasse-Tonkaraffe, vereint der "João Gato" jungen Cachaça infusioniert mit Kaffee, Kaffeelikör, Limette und Zimtrauch.
Adresse: Rua Capitão Salomão, 69, Humaitá, ☎ 3239-1951.
André Rodrigues e Eduardo Muruci: João Gato

12 Mythen über Cachaça - eine Klarstellung

Hauptbestandteil der Caipirinha und anerkannt als nationales Erbe, ist Cachaça voller Kuriositäten und Mythen. Als ein urtypisch brasilianisches Getränk, mit unterschiedlichsten Aromen und breiten Geschmacksrichtungen, entwickelten sich mit der Zeit Geschichten, die auch zeigen, wie wichtig das Getränk für die Brasilianer ist.

Aber welche dieser populären Weisheiten über das Getränk aus vergorenem und destillierten Zuckerrohrsaft sind wirklich wahr? Rafael Araújo, der "Cachaçaria Nacional" enthüllt einige dieser Mythen und Wahrheiten:

1 – Ein guter Cachaça ist nur der gelagerte Cachaça.
Ein weißer Cachaça, der nicht gelagert wurde, ist ein puristischer Cachaca in seiner unverfälschten Variante. Er "funktioniert" wie sein durch Holz gefärbtes Pendant - es gibt jedoch keine qualitativen Unterschiede zwischen beiden Varianten.

2 – Je länger ein Cachaça reift, desto besser ist er.
Die Lagerzeit bestimmt nicht, ob ein Cachaça gut oder schlecht ist. Generell lässt sich nur sagen, dass ein längerer Reifeprozess zu mehr Komplexität bezüglich der Sensorik führt. Letztendlich hängt alles von individuellem Geschmack ab - aber nicht von der Lagerzeit.

3 – Cachaça artesanal ist besser als der industriell hergestellte.
Der traditionell hergestellte Cachaça wird mit mehr Sorgfalt produziert. Die Alambiqueiros begleiten den gesamten Prozess der Destillation, um das Herzstück von Vor- und Nachlauf trennen zu können. Die ungewünschten Bestandteile können schädliche Stoffe beinhalten und den Geschmack beeinträchtigen. Die industriellen Prozesse sind auf die Herstellung großer Volumen ausgelegt und können systembedingt nicht mit dieser Sorgfalt umgesetzt werden. Über 500 Mio Liter Cachaça artesanal werden pro Jahr hergestellt.

4 – Cachaça sollte aus durchsichtigen Gläsern getrunken werden.
Idealerweise sieht man, was man im Glas hat, um Viskosität und Reinheit beurteilen zu können.

5 – Der teuerste Cachaça besitzt die beste Qualität.
Jeder Produzent hat seine Kosten für die Herstellung, die Flaschen und das Auftreten am Markt - hinzukommen Mehrwert- und Branntweinsteuer. Bei einem Preis von 10 Euro für eine 0,7 Liter-Flasche machen die Abgaben über 50% des Preises aus. Verpackung und Transport besitzen einen Anteil von rund 15%. So wird klar, dass das eigentliche Produkt nur eine geringe Bedeutung besitzt - und die Qualität nicht im Vordergrund stehen kann. Bei Tastings gewinnen aber nicht immer die teuersten Produkte... und eigentlich nie die Billigprodukte. Man sollte sich nicht von hohen Preisen verunsichern lassen - gerade als unerfahrener Genießer ist man geneigt, sich Maßstäbe wie Preis, Dauer der Lagerung, oder das Packaging helfend zu Rate zu nehmen.

6 – Cachaça sollte in kleinen Schlucken getrunken werden.
Gewöhnlich sollte man Cachaça in Mikro-Schlucken zu sich nehmen und langsam verkosten.

7 – Cachaça verursacht Kopfschmerzen.
Schlecht produzierte Cachaças können Kopfschmerzen verursachen. Auch gerade wenn beim Destillieren das Herzstück nicht sauber abgetrennt wird. Aber das gilt für alle Spirituosen gleich.

8 – Cachaça regt den Appetit an.
Tatsächlich erhöht Cachaça den Appetit. Aufgrund der geschmacklichen Komplexität werden die Geschmacksknospen "geöffnet" und für die Mahlzeit vorbereitet.

9 – Starker Cachaça brennt im Hals.
Tendenziell wirkt hochprozentiger Cachaça aggressiver im Hals, weil Alkohol ein hervorragendes Lösungsmittel für Aromen ist. Das "Brennen" wird aber meist von Säuren verursacht, die beim Gärprozess entstehen. Idealerweise sollte der Abgang einer Spirituose von komplexen Aromen bestimmt werden und nicht von abträglichen Alkoholen. Cachaça darf übrigens nur maximal 48% Alkohol besitzen - darüber wäre es gesundheitsschädigend.

10 – Cachaça ist unbestimmt haltbar.
In der Tat ist Cachaça unbestimmt haltbar. Allerdings können sich Alkohole und Fruchtsäuren zu Estern verbinden und so den Geschmack im Laufe der Jahre verändern. Spirituosen sollten immer dunkel und ohne große Temperaturschwankungen lagern. Keramikflaschen sind die bessere Wahl als Glasflaschen - zumindest, wenn die Flaschen nicht gleich geleert werden.

11 – Cachaça und Aguardente sind das gleiche.
Die Vorschriften regeln wie ein Cachaça beschaffen sein muss. Dazu zählt, dass Cachaça maximal 48% Alkohol besitzen darf - Aguardente darf hingegen mehr...

12 - Cachaça darf nur in Brasilien hergestellt werden.
Cachaça darf ausschließlich in Brasilien hergestellt werden. Das ist mittlerweile international anerkannt. Sowas wie BIO-Cachaça aus Dresden ist irreführendes Marketing und genauso wenig existent wie Champagner aus Thüringen. 

Cachaça-Nachfrage stieg 2016 - setzt sich der Trend fort?



Das Instituto Brasileiro da Cachaça (IBRAC) feiert den Beginn des Jahres 2017 mit der Erhöhung der Cachaça-Exporte im letzten Jahr. 4,6% betrug der Absatzzuwachs - legt man den Umsatz zugrunde, dann betrug das Wachstum 7,9%.

Drinks International führt diese Zahlen auch auf die steigende Popularität der Caipirinha im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft und der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro zurück. Allerdings sei die Caipirinha noch fernab der Popularität eines Mojitos.

Trotz der steigenden Nachfrage ist Cachaça nach wie vor eine Nischenspirituose. Es darf vermutet werden, dass Cachaça in Zukunft allerdings mehr Bedeutung erlangen wird. Die Ursache dafür liegt in der steigenden Qualität und in der großen Vielfalt, die außerhalb Brasiliens noch kaum bekannt ist.
Brasilien wird die Export-Anstrengungen der brasilianischen Alambiqueiros unterstützen und Importeure wie JERICOA und Portale wie Casa Cachaça werden diese Bemühungen aufgreifen.

Im letzten Jahr legte der Brasilianische Real deutlich an Wert zu. Dies lässt befürchten, dass bei diesem Trend die Preise in Europa besonders für hochwertigen Cachaça steigen werden.

Ab Werk kostet ein Liter Ende 2016 rein rechnerisch 1,678 US$. Der beste Cachaça geht also nicht immer in den Export. Der billigste Stoff, der dann auch im Supermarkt zu finden ist, kostet nur ein Drittel dieses Durchschnittes. Das versteht man dann als billig und ist so ziemlich geschmacklos.

Zuckerzusatz hat in Rum und Cachaça nichts verloren, oder?


Ein beliebtes Spiel bei Cognac-, Rum- und Cachaça-Produzenten ist die Zugabe von Zucker. Warum eigentlich?

Zucker weckt im Menschen archaische Reflexe. Selbst wenn wir an Übergewicht leiden, lassen wir uns vom Zucker verführen. Je mehr Zucker wir zu uns nehmen können, desto besser. Aus diesem Grund kommt die Industrie kaum daran vorbei, Zucker in Limonaden zu verwenden. Tonic war früher im wahrsten Sinne eine Bitterlimonade - heute enthält sie Zucker (z.B.: Thomas Henry und Schweppes, Indian Tonic: 9 gr). 
Brasilien gewann erst durch das Zuckerrohr an Bedeutung für Portugal. Bevor das Zuckerrohr Reichtum brachte, war das Holz "Pau Brasil", das einzige, was den Kolonisten etwas Geld versprach. In Zeiten, in denen die begehrtesten Frauen gegen Zucker aufgewogen wurden, gab es die süßen Träume nur für die Boheme. Heute ist Zucker billig und überall verfügbar - und die Caipirinha wird nicht mehr mit Honig zubereitet.

Unser instinktives Geschmacksmuster lässt gezuckerte Spirituosen milder erscheinen und es retuschiert die Ecken und Kanten. Zucker ist ein schönes Dopingmittel - auch für das Verkaufspotential. Spirituosen können weich gespült werden und tauschen Charakter gegen Massentauglichkeit.

Coca-Cola zum Beispiel hat knapp über 100 gr/ Liter. Hier verschwimmt die Grenze schon zum Likör, der mindestens 100gr Zucker beinhalten muss - und natürlich Alkohol.

Als es vor rund 50 Jahren möglich war, Destillate in großen Mengen produzieren zu können, sank der Preis enorm. Kleine Hersteller mit aufwändigen Produktionsmethoden waren zwangsweise die Verlierer. Unzählige Destillerien wurden aufgegeben oder fusionierten, um die Kosten senken zu können. Statt der klassischen Kupferbrennblase kam jetzt die effizientere Edelstahlkolonne zum Einsatz und der Gärprozess, der die Basis für die Aromenerschließung darstellt, wurde mit Turbohefen auf 6 Stunden reduziert. Kurzum die Qualität sank - mehr noch als der Preis.

Die schlechtere Qualität wurde kaschiert: durch die Zugabe von Zucker zum fertigen Destillat. In Brasilien darf man bis zu 6 gr Zucker/ Liter hinzufügen, ohne dass es deklariert werden muss. Wer mehr verwendet, muss das Wörtchen "adoçada" aufs Etikett schreiben. In Deutschland gilt diese Vorschrift nicht - weshalb die Angabe auf dem Weg hierher schon mal verloren geht. Ein Cachaça darf aber trotzdem nur bis maximal 3% Zucker beinhalten - also 30 Gramm/ Liter.

Wie sieht es ab er beim Rum aus? Es gibt einige Sorten, die ohne Zucker auskommen. Es gibt aber laut Refined Vices auch Rumsorten mit ordentlich Zucker:
  • El Dorado 12 Jahre: 41 gr
  • Diplomatico/ Botucal Reserva Exclusiva: 41 gr 
  • Rum Plantation 20th Anniversary Extra Old: 29 gr
  • Zacapa XO: 26 gr 
  • Rum Plantation Grande Reserve Barbados: 22 gr
  • Angostura 1919: 14 gr
  • weitere Sorten:
Bei Cognac dürfen bis zu 3% Zucker zugesetzt werden - also pro Liter 30 gr. Bei derartig viel Zuckereinsatz - ohne Deklarierung - stellt sich die Frage, ob dies noch im Sinne des Verbrauchers sein kann. 

Bei Herstellern hochwertiger brasilianischer Destilate ist der Zusatz von Zucker verpönt. Er wäre das Eingeständnis, dass die Qualität suboptimal ist. In Deutschland gibt es einige brasilianische Destillate mit dem Zusatz "adoçada": Berro d'Agua, Velho Barreiro, Cachaça 51 sind nur einige Sorten.

Ein Destillat, dass in Berlin beim 4. German Rum Festival ohne süßenden Zusatz überzeugen konnte, ist der SALIBOA, der  in Berlin als bester Cachaça ausgezeichnet wurde. Er reift 5 Jahre in einem Holz, dass sich Ipê amarelo nennt. Mit 45,5% Alc ist er der stärkste Cachaça in Deutschland.

LEBLON - ein Cognac Master Destiller in Brasilien

Das Geheimnis von LEBLON: die Verwendung von frischestem Zuckerrohr, die dreifache Filterung, die Reifung in XO-Cognac-Fässern?
Mestre Gilles hat es im französischen Cognac gelernt, Meisterwerke entstehen zu lassen. Er destillierte Cognac und ließ ihn  in wertvollem Limousin-Holz reifen.

In Brasilien griff er zum Zuckerrohr und beschäftigte sich mit den Feinheiten, den rauhen Methoden und den überlieferten Traditionen der Herstellung der Nationalspirituose. In aller Ruhe und mit aller Konsequenz verband er traditionelle Methoden Brasiliens mit kreativen europäischen Techniken. Die ehrwürdige Brennerei verwandelte sich unter seiner Ägide in eine state-of-the-art Destillerie "Maison Leblon" der neusten Generation.

Im Cachaça des Mestre Gilles, der nach dem Strand LEBLON von Rio de Janeiro benannt ist, vereinen sich französische Raffinesse und brasilianische Leidenschaft in einer Symbiose aus Cognac-Aromen und weichen Zuckerrohrnoten.

Ihm, dem berühmten Master-Destiller aus der Cognac-Region, gelingt es  Cachaça mit einem französischen touch auf ein außergewöhnliches Level zu heben. Dazu verwendet er ausschließlich mit der Hand geerntetes Zuckerrohr und destilliert es stets nur kleine Mengen in Kupferbrennblasen. Das Destillat erhält ein ultra-sanftes Finish in XO-Cognac-Fässern, die vor der Abfüllung miteinander vermählt werden.

Display-400x400-LeblonDer Gewinn der Gold-Medaille bei der World-Spirits-Competition in San Francisco in diesem Jahr bestätigt bereits zum wiederholten mal die außergewöhnliche Qualität. Der Cachaca, der auch schon in Frankreich und Großbritannien begeistert, ist jetzt auch in Deutschland erhältlich. JERICOA importiert ihn direkt aus des Meisters Hand.

Wenn Gilles nach dem Geheimnis seines Cachaças gefragt wird, dann verweist er auf die Verwendung von frischestem Zuckerrohr, die dreifache Filterung, die Reifung in XO-Cognac-Fässern und noch manch anderem Detail... Aber wahrscheinlich ist es die Leidenschaft des  Brennmeisters, der der Welt das Potential von Cachaça zeigen will.

SALIBOA - der stärkste Cachaça Deutschlands - nur eine Rarität


Falls man in Salinas, der "Hauptstadt des Cachaças" unterwegs ist, und auf einen älteren Herren mit Rauschebart, großem Hut und einem Zweig hinter dem linken Ohr trifft, der auf einem Maultier durch das Zentrum reitet, dann ist man mit ziemlicher Sicherheit auf Antônio Rodrigues, den Produzenten der gefragtesten Cachaças Brasiliens: SELETA, BOAZINHA und SALIBOA gestoßen.

Antônio Rodrigues steckt seine ganze Leidenschaft in Cachaça. Obwohl seine Destillerie mittlerweile zu einer der renommiertesten in Brasilien zählt, kreiert er nach wie vor neue Cachaçasorten. Mit diesem Enthusiasmus entstand auch der SALIBOA.

Der Individualist Antônio Rodrigues lud Kollegen und Koryphäen seiner Zunft ein und nahm sich mit ihnen die Zeit, einen Cachaça zu entwickeln (und natürlich auch zu probieren), der einen ganz eigenen Charakter besitzt.

Der SALIBOA reift mehrere Jahre in kleinen Fässern aus Ipê-amarelo-Holz, das mit dem Wirkstoff Lapachol an Lapacho-Tee erinnert und mit süßlichen Noten von Vanille und Karamell aufwartet. Es wird auch als Medizin verwendet und besitzt einige Mineralstoffe. Untersuchungen belegen, dass das Lapachol das körpereigene Abwehrsystem stärken kann. Dieser Cachaça besitzt Eleganz, einen besonderen Geschmack und einen einzigartigen Charakter.

Selten überwindet dann so ein Cachaça die Tore der Fazenda und darf verkauft werden. Einige wenige Flaschen haben sogar die Erlaubnis bekommen, den Weg nach Deutschland antreten zu dürfen. Ein Privileg das der BOAZINHA beispielsweise noch nicht erhielt. Da der SALIBOA aber in 600 ml-Flaschen abgefüllt wurde, darf er in Deutschland nicht gehandelt werden - er wird wohl nur unter der Hand weitergereicht werden... Er ist mit seinen 45,5 % Alkohol nicht nur der stärkste Cachaça, er ist auch eine ganz besondere Rarität in Deutschland.

Dank Antônio Rodrigues ist guter Cachaça  nicht mehr nur ein Privileg für Brasilien.

Die Reifung von Spirituosen - ohne langwierige Fasslagerung


Wer Spirituosen liebt, weiß, dass selbst die kurze Lagerung unverzichtbar ist, um eine ordentliche Qualität zu erhalten. Ein guter Cachaça - so lautet eine  unbelegte Weisheit -  ist der, der in Holzfässern reift. Während der Reifung sorgen chemische Prozesse für eine Veränderung des Charakters und des Geschmacks, die das Destillat letztendlich auch wertvoller machen. Nur ist die Lagerung sehr zeitaufwändig.

Wie also wäre es, so fragten sich Wissenschaftler der größten Universität Brasiliens USP, wenn man den Geschmack der Sprituose so verändern könnte, dass man auf die zeitaufwändige Reifung verzichten oder sie zumindest reduzieren könnte?

Wissenschaftler des Zentrums für Nuklearenergie in der Landwirtschaft (Centro de Energia Nuclear na Agricultura (Cena), der Universität São Paulo, gingen der Frage nach  und entdeckten, dass die Radioaktivität als Alternative zur traditionellen Reifung in Holzfässern genutzt werden kann.

Die Untersuchung ergab, dass eine relativ niedrige Dosis von 0,3 Kilogray den Reifungsprozess wesentlich beschleunigen kann. "Wenn man die üblichen Parameter zugrunde legt, entsteht so ein Cachaça, der dem nach traditionellen Methoden gereiften in nichts nachsteht." sagt der Koordinator der Studie, Professor Valter Arthur.

Ein Vorteil der Reifung durch die Strahlung ist die Reduktion von Aldehyden, die für die Kopfschmerzen nach dem exzessiven Genuss verantwortlich sind.

Das einzig ungewöhnliche an dieser Methode ist, dass ein Cachaça entsteht, der wie ein gereifter Schnapps schmeckt, aber nicht so aussieht. Es fehlt die goldene Färbung, die die (brasilianischen) Liebhaber der Nationalspirituose mögen.

Wem das jetzt zu abgefahren erscheint, dem sei gesagt, dass die Behandlung von Lebensmitteln mit ionisierenden Strahlen derzeit in ca. 40 Ländern zum Zwecke der Konservierung von Lebensmitteln und der Verringerung von lebensmittelbedingten Infektionen angewendet wird. Hinzu kommt vor allem in den USA die Insektenbekämpfung bei Obst zur Erfüllung der Quarantänevorschriften. Im Bereich der Europäischen Union findet eine nennenswerte kommerzielle Lebensmittelbestrahlung in Belgien, Frankreich, und den Niederlanden statt. Für die Haltbarkeitsverbesserung von Frischfisch und Erdbeeren wird beispielsweise die 10fache Menge der Strahlung verwendet.

Zwei Qualitäten für den teuersten Cachaça der Welt!

Auf dem Bild links ist kein Cognac und auch kein Whisky zu sehen - es ist Cachaça. Es ist der teuerste Cachaça der Welt, wie Velho Barreiro selber seine Edition "Diamond" bezeichnet und darf bestimmt auch stilgerecht aus einem Cachaça-Glas genossen werden. Er wird in edle Flaschen abgefüllt und ist auf 60 Stück limitiert.

Die Flasche "Axel" des Zuckerrohrbrandes wurde vom traditionsreichen Schmuckhersteller Saverglass in Paris hergestellt und mit 211 Diamanten besetzt, die einen Brillant-Schliff haben. Zusätzlich befindet sich in der Mitte des Etiketts ein Diamant mit 0,7 Karat. Insgesamt sind es 7,3 Karat (1,46 gr) pures Kristall.

César Rosa, der Präsident von Indústrias Reunidas de Bebidas Tatuzinho – 3 Fazendas, erklärt, dass der Brand aus zwei verschiedenen Cachaças mit unterschiedlichen Qualitäten geblended wird. Der erste stammt aus der eigenen Destillerie von Velho Barreiro, der 5 Jahre in dem Holz Jequitibá reift.
Der Zweite Teil des Blends hat seinen Ursprung in der Stadt Miguel Pereira, aus dem Umland von Rio de Janeiro, die für die hohe Qualität seiner traditionellen Cachaças artesanais bekannt ist. Dieser (aufwändigere) Teil des Velho Barreiro "Diamond" wird in einer 3-teiligen Anlage aus Kupferbrennblasen destilliert und in Eiche 5 Jahre gelagert.

Cesar Adames, Mitglied der IBA-International Bartenders Association und Autor für die Zeitschrift ADEGA und Robb Report beschreibt das Destillat als mild und harmonisch mit einer leichten fruchtigen Note und Süße.


Jede dieser Flaschen soll 212.000 Reais kosten - 86.000 Euro. Der größte Teil der 60 Flaschen wird nur auf der Website:  www.velhobarreirodiamonds.com.br versteigert.

Den gleichen Inhalt gibt es auch etwas preiswerter für einen Preis von 40 bis 50 Euro in Brasilien. Der Präsident beteuert, dass zwischen den beiden Abfüllungen kein Unterschied besteht - also auch aus den zwei Qualitäten besteht.

Ob er ihn auch aus einem Cognac-Glas trinkt - oder etwa auf Eis? Er bestätigte zumindest, dass für die Produktlinie, die als "teuerster Cachaça der Welt" vermarktet wird, 1,4 Mio Euro ins Marketing investiert werden.


Aus welchem Glas trinkt man eigentlich Cachaça?


Es gibt zwei Möglichkeiten! Cachaça bietet nicht nur eine große Vielfalt bei den Geschmacksrichtungen, sondern auch bei der Form des Genießens.

Das einfache Glas

In den kleinen belebten Bars an den Straßenecken, den sogenannten "Lanchonetes", in denen man sich nach der Arbeit trifft, in die man geht, bevor man ausgeht, und in denen man den Abend ausklingen läßt, wird ein einfaches Glas bevorzugt, um eine "Dose" (Dosis) Cachaça dem Gaumen zuzuführen. Hier in Deutschland ist dieses Glas am ehesten mit einem Schnappsglas vergleichbar - der Inhalt beträgt rund 5 cl. Das Glas ist schnell geleert und auch gefüllt.


Das stilgerechte Glas
Hat man Zeit und möchte einen guten Cachaça stilgerecht genießen, dann greift man zu einem anderen Glas. Ein Italiener würde beim Anblick des Glases an Grappa denken. Dieses "Grappa"-Glas, dass sich nach oben verjüngt, ermöglicht ein langsames Verdunsten, ohne dass sich Alkohol zu stark konzentriert. Dieses Glas wurde von Barkeepern und Genießern im Auftrag der IBRAC, dem INSTITUTO BRASILEIRO DA CACHAÇA  entwickelt. So sollte sichergestellt werden, dass der Cachaça auch optimal zur Geltung kommen kann.

Die Form des Cognac-Glases schied beispielsweise aus, da festgestellt wurde, dass sich einfache Alkohole wie Äthanol zu stark im Glas konzentrieren und Aromen verdrängen.

Was ist also in dem unteren Bild falsch? Angemerkt sei, dass es sich auf dem Bild um den teuersten Cachaça der Welt handeln soll..., der aus einem Blend aus 2 unterschiedlichen Qualitäten besteht..., aber das ist ein anderes Thema.

Das falsche Glas

USA: Cachaça - endlich kein brasilianischer Rum

Bis heute wurde Cachaça als "brasilianischer Rum" in den USA verkauft - doch dies wird anders!

Brasilien erreichte nach langen Gesprächen, dass man sich vom Label "Rum" trennen kann. Auf höchster Ebene wurde vereinbart, dass brasilianische Destillate aus dem frischem Saft des Zuckerrohres als "Cachaça" bezeichnet werden und nicht mehr, wie bisher als "brasilianischer Rum".

Der Vereinbarung sind langwierige Verhandlungen vorrausgegangen. Als Brasilien vor der Welthandelsorganisation mit dem Versuch scheiterte, die eigene Nationalspirituose als Brasilianisches Destillat schützen zu lassen, musste dieses Ansinnen mittels bilateraler Abkommen umgesetzt werden. Die USA sind nun ein letzter, aber wichtiger Handelspartner die "Cachaca" als brasilianische Spirituose anerkennen.

In einer feierlichen Zeremonie wurde der Vertrag am 9. April unterschrieben. Im Gegenzug verpflichtete sich auch Brasilien, Bourbon nicht mehr als einfachen Whisky zu klassifizieren. Brasilianischen Bourbon wird es also nicht mehr geben.  Die USA exportierten 2011 gerade einmal Whiskey für 3,2 Mio US$ nach Brasilien.


Zur Feier des Tages überreichte die brasilianische Präsidentin ihrem Kollegen aus den USA eine Flasche  Cachaça, besetzt mit 1 Diamanten und 211 Brilianten  im Wert von  88.000 EUR. Die Flasche beinhaltet ein Blend aus 2 Cachaças mit unterschiedlicher Qualität, der zum einen Teil 5 Jahre in Jequitibá und zum anderen Teil 5 Jahre in Eiche reifte.



Milchige Spirituosen - Raki, Ouzo und Co. okay - aber Cachaça?


Was haben Raki, Absynth und Pastis mit Cachaça gemeinsam? Von anishaltigen Spirituosen wie Raki, Absynth, Ouzo und Pastis ist bekannt, dass sie milchig werden, wenn Sie mit Wasser verdünnt oder sehr stark gekühlt werden. Die Ursache dafür ist der hohe Gehalt an ätherischen Ölen, vor allem aus Anissamen und anderen Gewürzpflanzen wie Minze, Koriander und Melisse. Dieser Effekt wird auch als Louche-Effekt (franz.: louche - undurchsichtig‚verdächtig) bezeichnet.

Ölige und wässrige Flüssigkeiten können sich bekanntermaßen nicht miteinander vermischen. Alkohol spielt dabei eine Art Zwitterwesen – er ist wasserlöslich, hat aber auch die Eigenschaft Öle – in kleinen Mengen – in reinem Alkohol aufzunehmen. Deshalb lösen sich auch die ätherischen Öle im Schnaps, sodass der Schnaps klar bleibt. Wenn man aber Wasser dazugibt, ist es damit vorbei. Der gleiche Effekt tritt ein, wenn die Spirituose gekühlt wird.

Von gereiften Spirituosen wie Whisky und Cognac ist dieser Effekt nicht bekannt, weil der Anteil von ätherischen Ölen nicht ausreichend hoch ist - auch dann nicht, wenn sie länger reifen, um möglichst viele Aromen aufzunehmen. Es gibt aber eine weitere Spirituose, die milchig-trüb sein kann: Cachaça.

Ja, Cachaça; die mit Abstand vielfältigste Spirituosengattung ermöglicht die Reifung in verschiedensten Holzsorten - derzeitig sind es 25 - zu denen auch das Holz Putumujú zählt. Dies ist besonders reich an ätherischen Ölen und wird aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit auch im Schiffbau verwendet.

Die Destillerie "Engenho Bahia", die sich mit Leib und Seele der traditionellen Cachaça-Herstellung verschrieben hat, nutzt genau dieses Holz für das Finishing eines Cachaças, den sie nach dem Holz "Putumujú" genannt hat. Der Reichtum an ätherischen Ölen sorgt dafür, dass dieser Cachaça nicht nur eine runde Holznote mit großartiger Balance besitzt, wie es im Blog what a drink! heißt, sondern auch milchig-trüb aussieht, nachdem er von Fass- auf Trinkstärke verdünnt wurde.


Der "Putumujú" wird in Flaschen abgefüllt, die einzeln nummeriert sind. Die Destillerie "Engenho Bahia" ist eine der wenigen, die sich dem Aufwand der Zertifizierung als Qualitätsbrennerei durch den brasilianischen TÜV, dem Instituto Baiano de Metrologia e Qualidade (IBAMETRO) unterzogen hat und das "Selo de Qualidade" tragen darf. Der Cachaça wird in kleinen Kupferbrennblasen destilliert und 2 Jahre in Putumujú gelagert.

UPDATE: Johnnie Walker - ein Plagiat in Brasilien

Johnnie Walker wird bedroht, so sagt der Inhaber der Marke, Diageo - und zwar von einem João Andante.

João Andante kommt aus Minas Gerais und ist ein Cachaça, kreiert von vier Freunden, die im letzten Jahr noch gemeinsam die High School besuchten. Von diesem João Andante werden seit 2003 monatlich 200 Flaschen hergestellt.  Keine Menge die ein Spirituosen-Imperium bedroht? Diageo entschied sich den Kampf gegen João Andante aufzunehmen.




Diageo möchte den vermeintlichen "Konkurrenten" vom Markt nehmen. Unter dem Vorwurf des Plagiats wurde mittlerweile auch Klage eingereicht. Dabei ist João Andante nicht mal ein Whisky. João Andante würde aber auf englisch  Johnnie Walker und auf deutsch Johann Geher heißen.

Das brasilianische Institut für Geistiges Eigentum INPI (Instituto Nacional de Propriedade Industrial) registrierte die Marke  João Andante  im Februar 2011. Diageo verlangt nun diese Entscheidung aufzuheben. Es wird argumentiert, dass die Marke mit dem Cousin von Johnnie Walker in Verbindung gebracht werden könne, der während des Ersten Weltkriegs nach Brasilien auswanderte und beschloss, Cachaça statt Whisky zu produzieren.

Die Aktionen gegen die Hersteller des Cachaças haben aber nicht nur rechtliche Folgen. Wie zu erwarten war, ist der Fall kostenlose Werbung. Für 2012 rechnen die 4 Besitzer von João Andante, dass sich der Umsatz um das 20-fache steigert - dank der Werbung durch den Prozess.  Tatsächlich wurden am Tag der Klageeinreichung 1.000 Flaschen geordert.

Cachaça-Ranking

Seit 2007 finden sich alle zwei Jahre 20 Juroren zusammen und wählen die besten Cachaças Brasiliens. Aus mehr als 4.000 Sorten gilt es, den Besten zu finden. Das Ergebnis wird dann in der wichtigsten "maskulinen" Zeitschrift Südamerikas veröffentlicht - dem Playboy.
Bei diesem Ranking zählt nicht der äußere Schein, nein es sind die inneren Werte der Flaschen, auf die es ankommt. Aus diesem Grunde wurde auch 2011 wieder eine Jury aus berufenen Teilnehmern zusammengesetzt, die sich mit der brasilianischen Nationalspirituose auch beruflich beschäftigen. So wurde das Urteil mit Beteiligung von:
  • João Bosco Faria, der an der Unesp, Destillation und Chemie lehrt,
  • Cesar Adames, Professor am Senac und der Escola de Gastronomia da Universidade de Caxias do Sul (RS), Milton Lima, Cachaça-Liebhaber und Gründer der Site cachacas.com,
  • Leandro Marelli de Souza, Wissenschaftler auf dem Gebiet der Getränketechnologie und Qualitätskontrolle für alkoholische Getränke an der Escola Superior de Agricultura Luiz de Queiroz (Esalq/USP).
  • Mauricio Maia, Sommelier, Berater, Herausgeber und Gründer der Site ocachacier.com
  • Manoel Beato, Sommelier des Restaurants Fasano, 
  • Souza, Barkeeper der Bar Veloso, in São Paulo.
  • Sergio Arno, Cachaça-Sammler,
  • S. Cavalcante, Sammler von Cachaças mit der weltweit umfangreichsten Kollektion,  
  • Alexsander Santana,  Gründer der Site amigosdacachaca.com.br
  • José Lucio Mendes, Direktor der Messe ExpoCachaça.
gefällt. Jeder der Juroren erstellte eine Liste mit seinen 10 Favoriten. So kamen 102 Cachaças in die Endrunde, aus denen die besten 20 ausgewählt wurden. Die Juroren mussten dann die Cachaças erneut verkosten und bewerten. Jeder der Juroren vergab dann Punkte: 25 für den Besten, 20 für den Zweitplatzierten, 16....

Die Gewinner des Rankings sind (die dick markierten sind in Deutschland erhältlich)
  • 1º Anísio Santiago/Havana (Salinas, MG),
  • 2º Vale Verde (Betim, MG),
  • 3º Claudionor (Januária, MG),
  • 4º Germana (Nova união, MG),
  • 5º Canarinha (Salinas, MG),
  • 6º Serra Limpa (Duas Estradas, PB),
  • 7º Maria Izabel (Parati, RJ),
  • Seleta (Salinas, MG)
  • Sagatiba Preciosa (Ribeirão Preto, SP),
  • 10º Germana Heritage (Nova união, MG),
  • 11º Mato Dentro Prata (São Luis do Paraitinga, SP),
  • 12º Cachaça da Tulha Ouro (Mococa, SP),
  • 13º Coronel Xavier Chaves (Cel. Xavier, MG),
  • 14º Boazinha (Salinas, MG),
  • 15º Lua Cheia (Salinas, MG),
  • 16º Casa Bucco (Bento Gonçalves, RS),
  • 17º Nêga Fulô (Nova Friburgo, RJ),
  • 18º Armazém Vieira Safira (Florianópolis, SC),
  • 19º Weber Haus Amburana (Motim, RS),
  • 20º Rainha das Gerais (Curvelo, MG)
Industrielle Produkte á la Pitú, Canario, 51 und Velho Barreiro hatten bei diesem Ranking nachvollziehbarer Weise keine Chance.

Der älteste Cachaça Brasiliens – und viele behaupten, er wäre der Beste.

1494 begann die Whiskyherstellung in Schottland, 1533 in Brasilien die Cachaçaproduktion und 1640 die Rumdestillation auf Barbados. Seit dem diese Spirituosen zum ersten Mal hergestellt wurden, veränderten sich die Herstellungsprozesse. Keine der ersten Brennereien existiert heute. Die älteste Whisky-Destille steht in Irland und brennt seit 1757, die älteste Cachaça-Brennerei seit 1755 in Coronel Xavier Chaves.

Prozessbeschleunigungen sorgten dafür, dass Kosten eingespart werden konnten und Spirituosen immer weniger kosteten. Waren es vor hundert Jahren noch viele kleine Brennereien, dominieren das brasilianische Angebot heute wenige große Anbieter. Mit dem Preis für die Spirituosen sank auch der Aufwand. Aroma schonende Destillations- und Gärverfahren werden von industriellen Herstellern nicht mehr verwendet. Gerade in den letzten 40 Jahren gaben viele traditionelle Brennereien in Brasilien den Betrieb auf.

Eine der Brennereien, die sich gegen den Kostensenkungsdruck wehrte, ist die Brennerei Coronel Xavier Chaves. Die Brennerei  besteht - amtlich nachgewiesen - seit 1755. „Im Grunde betreibe ich gar keine Destillerie“, sagt der 76-jährige Produzent Rubens Chaves, „ich habe ein Museum, das wie eine Destillerie funktioniert.“ So produziert Senhor Chaves wie vor 250 Jahren – ohne Kunststoffe, Edelstahlkolonnen und Turbohefen. Ein kleiner Bach liefert nach wie vor das Wasser für das Wasserrad, das sich zehnmal pro Minute dreht und die Zuckerrohrpresse antreibt. Senhor Chaves bestimmt, wann der fermentierte Saft des Zuckerrohres, das Caldo da Caña, so weit ist, dass es in den Kupferkesseln destilliert werden kann. So werden aus 1.000 Litern Zuckerohrsaft nur etwas mehr als 100 Liter Cachaça.

Viele Produzenten lassen den Cachaça in Holzfässern reifen, die den Geschmack weiter verändern - eine Methode, die der Purist Chaves ablehnt. Für einen reinen unverfälschten Cachaça setzt er auf Steintanks - die 250 Jahre alt sind.
Senhor Chaves bräuchte mehr als ein Jahr, um einen 24.700-Liter Container zufüllen. Zum Glück nimmt er sich die Zeit, um seinen Cachaça traditionell zu produzieren. Unterstützung von den Behörden bekommt er dafür nicht. Da seine Destillerie aber ein historisches Monument ist, darf er auch auf historische Weise produzieren und so arrangierte er sich mit den Behörden. Wie lange das noch sein wird, weiß er nicht.
Wenn es also einen Cachaça gibt, der sich mit Recht das Label „tradicional“ auf die Flasche heften darf, ist es der Cachaça „Coronel X Chaves“. 

Genießer schätzen seine Arbeit. Das wohl populärste Cachaça-Ranking in Brasilien, wählte seinen Cachaça zum Besten puren Cachaça Brasiliens. Dieses Ranking wird nur aller 2 Jahre im brasilianischen Playboy veröffentlicht. A „Carta da Cachaça hat sich zur Aufgabe gemacht, die geschmackvollsten Zuckerrohrdestillate Brasiliens in einer repräsentativen Übersicht aufzuführen. Der Coronel Xavier Chaves gehört zu diesen 16 Sorten. Der Blog „Bebidinhas“ wählte ihn zum besten Cachaça artesanal.

In Deutschland ist der Coronel X Chaves übrigens bei

erhältlich - natürlich nur in kleinen Mengen.

Was sagt die Presse zu Cachaça da Bahia?

Da in der FIZZZ ein Artikel über Cachaça veröffentlicht worden ist, sollen auch hier die Bewertungen der Marken nicht fehlen. In der FIZZZ wurde in diesem Zusammenhang auch über die Situation der Spirituose Cachaça geschrieben. So wird berichtetet, dass mittlerweile eine große Menge verschiedener Cachaças deutsche Bars erreicht hat, aber sich die Anzahl der hierzulande verfügbaren Marken noch immer lächerlich im Vergleich zur existierenden Vielfalt in Brasilien ausnimmt. Zwischen São Paulo und Belo Horizonte, etwa auf halbem Weg, gibt es eine Tankstel­le, in deren Shop nicht weniger als rund 500 verschiedene Marken verkauft werden - wohl gemerkt, eine Tankstelle, kein Schnapsla­den!

Geht es um kreatives Experimen­tieren auf der Suche nach neuen Rezepturen stachen Wodka, Rum, Gin und zuletzt auch Tequila den Cachaça aus. Doch ändert sich die Situation bei der weltweit drittpo­pulärsten Spirituose. Vor allem dank der vielen Cachaças artesanais steigt die Vielfalt der Anwendungsmög­lichkeiten rasant. Selbst der pure Genuss nimmt, zugegeben auf noch sehr niedrigem Niveau, zu.
Mit Cachaça artesanal kann man also etwas Exclusives, etwas Besonderes bieten.

Morro de São Paulo escuro

Die FIZZZ schreibt: „Dieser drei Jahre in europäischen Eichenfässern gereifte Cachaça ist tatsächlich etwas Besonderes: angenehmer, typischer Eichenholzduft, leicht rauchig mit deutlichen Vanille- und Honignoten auf der Zunge – ein echter Klassiker sowohl für den puren Genuss als auch für die Verwendung im Cocktail“. [mehr]

Serra das Almas

Die FIZZZ notiert zu ihm: „Ebenfalls in der Alambique destilliert wurde dieser Bio‑Cachaça aus Bahia. Den Silver, der sich in erster Linie zum Mixen eignet, beherrschen ein blumiges Zuckerrohr­-Aroma und dezente Oliventöne. Der Serra das Almas Gold verändert trotz… Lagerung in Garapei­ra-Fässern seine typischen Zuckerrohr-Aromen kaum, ergänzt sie aber in angenehmer Weise durch deutliche Holznoten. Pur getrunken ein wunderbarer Digestif“. [mehr]

Tombad‘oro

Der dritte Cachaça wird in der FIZZZ folgendermaßen charakterisiert: „Ebenfalls ein Cachaça artesanal aus Bahia, destilliert in der Alambique und in europäischer Eiche gereift; besticht durch sein deutliches Zuckerrohr-Aroma, ein milder Brand mit angenehmer Säure, die in eher zurückhal­tende, aber deutlich erkennbare Vanille-und Honigaromen eingebunden ist“. [mehr]

Cocktails mit Cachaca


Smoking Signals - Mike Meinke (Triobar, Berlin)
  • 6 cl gereifter Cachaça (Morro de Sao Paulo escuro)
    8 cl Cranberry-Nektar
    2 cl Limettens
    aft
    1 cl Ahornsirup
    geräuchertes Eis
Silence of the Lambs - Dirk Becker (Rumclub, Berlin)
  • 6 cl junger Cachaça
    9 cl Ananassaft
    3 cl Limettensaft
    2 cl Falernum
    2 Thymianzweige
    1 Dash Orange Bitter
Marmalade Sour - Jamie Boudreau (Vessel, Seattle)
  • 5 cl gereifter Cachaça
    2 cl Limettensaft
    2 BL Orange-Bitter Marmelade
    1 Eiweiß
    1 Dash Orange-Bitter
Cachaça pimentada - Dirk Becker (Rumclub, Berlin)
    6 cl gereifter Cachaça

    4 cl Blutorangensaft
    1 Bl Pimento Dram
    1/2 Limette
    2 cl Falernum (Rum-Likör)
    1 Dash Orangen-Bitter
12.00 Caipirinha brasileira - unbekannter Brasilianer
  • 6 cl Cachaça artesanal
    4 cl Limettensaft
    weißer Rohrzucker
Diese Cocktails wird es auf der barzone in Berlin am Stand von JERICOA und DANNEMANN geben und natürlich bei der Abschlussveranstaltung zur barzone am Mittwoch, den 6. Mai im Vis-a-Vis.