Rhum agricole und Cachaça sind doch das Gleiche, oder?


Rhum agricole und Cachaça werden beide aus frisch gepresstem Zuckerrohr hergestellt und haben geschmacklich auch vieles Gemeinsam. Wo verläuft also die Grenze zwischen Rum und Cachaça?
Ein Destillat aus frischem Zuckerrohrsaft, das an der Luft vergoren und dann destilliert wurde, wurde erstmals in Brasilien hergestellt. In der Gegend von São Paulo liegen die gemeinsamen Wurzeln für das Zuckerrohr-Destillat, das erstmalig 1532 hergestellt wurde und das einmal den amerikanischen Kontinent dominieren sollte. Es besaß einen Alkoholgehalt von rund 20% - hatte also kaum Ähnlichkeiten mit heutigen Spirituosen. Einen konkreten Namen gab es auch erst sehr viel später. Bis in das letzte Jahrhundert hinein wurden hunderte Namen verwendet – die auch heute noch umgangssprachlich verwendet werden. Man tat sich schwer mit der Findung eines einheitlichen Namens.
Vielleicht ist das die Ursache dafür, dass ein Herstellungsverbot für Cachaça der portugiesischen Kolonialmacht im 17. Jahrhundert dazu führte, dass trotzdem die Zahl der Destillerien stieg – man wusste einfach nicht, wie das genau hieß, was da verboten war. Aber das ist nur Spekulation... zurück zu den Tatsachen.
Selbst 1908 wurde noch die Ortsbezeichnung „Paraty“ als Bezeichnung für Cachaca in einem holländischen Wörterbuch aufgeführt. Damals hieß es oft: „vamos tomar uma paraty – gehen wir einen Paraty trinken...“. Cognac, Rum und Whiskey hatten sich da schon längst einen Namen gemacht. Als in Ouro Preto 1698 Gold gefunden wurde und die Stadt zur größten Metropole der südlichen Hemmisphäre aufstieg, entwickelte sich die Hafenstadt Paraty zur „Welt-Hauptstadt“ für Zuckerrohrbrand.
Ein Destillat mit dem Namen Rhum agricole taucht erstmals auf den Antillen im Jahr 1694 auf. Die heutige Definition von Rhum agricole geht auf die Vorschrift zur Herstellung des Institutes AOC (Appellation d'Origine Côntrollée) aus dem Jahr 1996 zurück. Allerdings ist diese nur für Martinique gültig. Für die anderen karibischen Inseln hat das keine Verbindlichkeit - allerdings orientieren sie sich an den Regelungen in Martinique. Seit 1996 gibt es eine geschützte Herkunftsbezeichnung für Rhum agricole aus Martinique: "AOC Martinique" mit dem Zusatz "Rhum agricole". Er darf nur dort hergestellt werden. Allerdings gibt es Rhum agricole auch aus Haiti, Guadeloupe und anderen karibischen Inseln.
Für Cachaça, der nur in Brasilien hergestellt werden darf, stammt die aktuelle Definition aus dem Jahr 2003. Rum – aus Melasse – wurde um 1620 erstmalig in Barbados hergestellt. Als die holländische Besatzung des brasilianischen Nordens beendet wurde, flüchteten die Besatzer nach Barbados und versuchten sich dort erfolgreich an der Rumherstellung.



Cachaça
Rhum agricole
Zuckerrohr
600 Sorten
12 Sorten (Familie: Java)
Fermentation
Verwendung von zwei Hefestämmen:
Schizosaccharomyces und
Saccharomyces
Verwendung nur von einem Hefestamm: Schizosaccharomyces – weniger Aromen, dafür leichter
Destillation
Kupferbrennblase und Edelstahlkolonne
Edelstahlkolonne mit 5 bis 9 Glockenböden
Höhe: 90 bis 180 cm
Reifung
keine Vorschrift
mindestens 3 Monate in Edelstahltanks oder Holz
Alkohol-
gehalt
38% - 48%
40% - 60%
Reifung
25 verschiedene Holzsorten
nur Eiche
Weitere Kategorien
Cachaça artesanal: Destillation nur in Kupferbrennblasen, kein Zusatz chemischer Hilfsstoffe
Cachaça envelhecida: mindestens. 1 Jahr in Fässern mit 200 – 700 Liter Fassungsvermögen
Rhum paille/ ambré muss mindestens 18 Monate in Eichenfässern lagern.
VO mindestens 3 Jahre
VSOP mindestens 4 Jahre
XO mindestens 6 Jahre
mit 180 – 650 Liter Fassungsvermögen


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Cachaça eine Mannigfaltigkeit bietet, die die des Rhum agricole übersteigt. Die Verwendung verschiedener Hefen bei der Fermentierung und die Destillation in Kupferbrennblasen, sprechen für den aromatischeren Cachaça. Die Reifung wird allerdings auf Martinique und den anderen karibischen Inseln viel intensiver betrieben, als in Brasilien. Der Vorteil von Rhum agricole ist, dass durch die starke Reglementierung der Herstellung ein relativ einheitliches Produkt entsteht – man weiß, was man erwarten kann. Obwohl Alkohol prinzipiell ein Zellgift ist, kann ein höherer Alkoholgehalt wie beim Rhum agricole auch dafür sorgen, dass Hintergrundaromen intensiver zum Tragen kommen. Bei Cachaça ist die Bandbreite viel größer.

Rhum agricole darf überall hergestellt werden – Cachaça nur in Brasilien. Während heute 7 Brennereien auf Martinique und eine weitere Handvoll auf anderen karibischen Inseln existieren, sind 30.000 mit der Cachaça-Produktion in Brasilien beschäftigt.
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