Obstler aus Zuckerrohr

Der Praianinha ist kein Obstler, er ist ein traditionell hergestellter Cachaça! Beim blinden Verkosten würde er eher als Obstler eingestuft werden, als als Cachaça durchgehen. Eine Tatsache die auch die Juroren des 7. German Rumfestes irritierte, dennoch wurde er mit Bronze ausgezeichnet. 

Er wird von erstaunlich vielen Fruchtaromen dominiert - Himbeere und Marille sind recht schnell zu identifizieren. 

Aber er kommt nicht aus dem Schwarzwald, er kommt aus einer der älteren Brennereien im Umland von Rio de Janeiro, die Anfang des Jahrtausends mit modernem Equipment ausgestattet worden ist. 

Auch wenn die typischen Zuckerrohrnoten eher dezent wahrnehmbar sind, ist er ein klassischer Vertreter der brasilianischen Nationalspirituose. So zeigt der Praianinha, dass die 600 Zuckerrohrsorten Brasiliens ein wahrer Aromenschatz sind, der sich in vielen Cocktails verwenden lässt. 

Gebrannt wird das Destillat in Kupferbrennblasen und danach 6 Monate in Edelstahl gelagert, damit sich die Aromen sanft entfalten können. 

Erhältlich ist er im Fachhandel und beispielsweise bei Casa Cachaça.


So sehen die aktuellen Winter-Cocktails in Rio aus!


William Baron: Biriba
Die brasilianische Zuckerrohrspirituose ist in den gehobenen Bars von Rio de Janeiro Basis für simple und einprägsame Rezepte, die in Erinnerung bleiben. So unterschiedlich wie die Cachaças, so vielfältig sind die Kreationen der Barkeeper.

Hier also 4 Inspirationen - und wer gerade in Rio de Janeiro weilt, kann die folgenden Winter-Cocktails  auch vor Ort im Winter Brasiliens testen. 

"Heritage" Barkeeper William Baron, der das Haus vor kurzem verlassen hat, nimmt für den "Biriba" Leblon Cachaça, karamellisiertes Apfelpüree, eine Zimttinktur, Blaubeeresaft und dehydrierte Limette. 
Miguel Paes: Bipolar
Adresse: Rua Pacheco Leão, 724, Jardim Botânico, ☎ 3114-7691.


Im "Som de Rock", 
kreierte Barkeeper Miguel Paes den "Bipolar", mit gereiften Cachaça, Maracuja-Sirup, Aprikosenlikör und Limettensaft, finished mit schwarzem Pfeffer. Adresse: Rua Assis Bueno 26, Botafogo, ☎ 3507-5600.


Das charmante "Deck" im Planetarium kombiniert mit dem "Gabriela": Cachaça, Zuckerrohrsirup und Melasse-Chips, Ingwersirup, Limettensaft, Cashew-Saft und Melasse.
Rodrigo Azevedo: Gabriela
Adresse: Rua Vice-Governador Rubens Berardo, 100, Gávea, ☎ 3259-0255.


Serviert in einer Melasse-Tonkaraffe, vereint der "João Gato" jungen Cachaça infusioniert mit Kaffee, Kaffeelikör, Limette und Zimtrauch.
Adresse: Rua Capitão Salomão, 69, Humaitá, ☎ 3239-1951.
André Rodrigues e Eduardo Muruci: João Gato

12 Mythen über Cachaça - eine Klarstellung

Hauptbestandteil der Caipirinha und anerkannt als nationales Erbe, ist Cachaça voller Kuriositäten und Mythen. Als ein urtypisch brasilianisches Getränk, mit unterschiedlichsten Aromen und breiten Geschmacksrichtungen, entwickelten sich mit der Zeit Geschichten, die auch zeigen, wie wichtig das Getränk für die Brasilianer ist.

Aber welche dieser populären Weisheiten über das Getränk aus vergorenem und destillierten Zuckerrohrsaft sind wirklich wahr? Rafael Araújo, der "Cachaçaria Nacional" enthüllt einige dieser Mythen und Wahrheiten:

1 – Ein guter Cachaça ist nur der gelagerte Cachaça.
Ein weißer Cachaça, der nicht gelagert wurde, ist ein puristischer Cachaca in seiner unverfälschten Variante. Er "funktioniert" wie sein durch Holz gefärbtes Pendant - es gibt jedoch keine qualitativen Unterschiede zwischen beiden Varianten.

2 – Je länger ein Cachaça reift, desto besser ist er.
Die Lagerzeit bestimmt nicht, ob ein Cachaça gut oder schlecht ist. Generell lässt sich nur sagen, dass ein längerer Reifeprozess zu mehr Komplexität bezüglich der Sensorik führt. Letztendlich hängt alles von individuellem Geschmack ab - aber nicht von der Lagerzeit.

3 – Cachaça artesanal ist besser als der industriell hergestellte.
Der traditionell hergestellte Cachaça wird mit mehr Sorgfalt produziert. Die Alambiqueiros begleiten den gesamten Prozess der Destillation, um das Herzstück von Vor- und Nachlauf trennen zu können. Die ungewünschten Bestandteile können schädliche Stoffe beinhalten und den Geschmack beeinträchtigen. Die industriellen Prozesse sind auf die Herstellung großer Volumen ausgelegt und können systembedingt nicht mit dieser Sorgfalt umgesetzt werden. Über 500 Mio Liter Cachaça artesanal werden pro Jahr hergestellt.

4 – Cachaça sollte aus durchsichtigen Gläsern getrunken werden.
Idealerweise sieht man, was man im Glas hat, um Viskosität und Reinheit beurteilen zu können.

5 – Der teuerste Cachaça besitzt die beste Qualität.
Jeder Produzent hat seine Kosten für die Herstellung, die Flaschen und das Auftreten am Markt - hinzukommen Mehrwert- und Branntweinsteuer. Bei einem Preis von 10 Euro für eine 0,7 Liter-Flasche machen die Abgaben über 50% des Preises aus. Verpackung und Transport besitzen einen Anteil von rund 15%. So wird klar, dass das eigentliche Produkt nur eine geringe Bedeutung besitzt - und die Qualität nicht im Vordergrund stehen kann. Bei Tastings gewinnen aber nicht immer die teuersten Produkte... und eigentlich nie die Billigprodukte. Man sollte sich nicht von hohen Preisen verunsichern lassen - gerade als unerfahrener Genießer ist man geneigt, sich Maßstäbe wie Preis, Dauer der Lagerung, oder das Packaging helfend zu Rate zu nehmen.

6 – Cachaça sollte in kleinen Schlucken getrunken werden.
Gewöhnlich sollte man Cachaça in Mikro-Schlucken zu sich nehmen und langsam verkosten.

7 – Cachaça verursacht Kopfschmerzen.
Schlecht produzierte Cachaças können Kopfschmerzen verursachen. Auch gerade wenn beim Destillieren das Herzstück nicht sauber abgetrennt wird. Aber das gilt für alle Spirituosen gleich.

8 – Cachaça regt den Appetit an.
Tatsächlich erhöht Cachaça den Appetit. Aufgrund der geschmacklichen Komplexität werden die Geschmacksknospen "geöffnet" und für die Mahlzeit vorbereitet.

9 – Starker Cachaça brennt im Hals.
Tendenziell wirkt hochprozentiger Cachaça aggressiver im Hals, weil Alkohol ein hervorragendes Lösungsmittel für Aromen ist. Das "Brennen" wird aber meist von Säuren verursacht, die beim Gärprozess entstehen. Idealerweise sollte der Abgang einer Spirituose von komplexen Aromen bestimmt werden und nicht von abträglichen Alkoholen. Cachaça darf übrigens nur maximal 48% Alkohol besitzen - darüber wäre es gesundheitsschädigend.

10 – Cachaça ist unbestimmt haltbar.
In der Tat ist Cachaça unbestimmt haltbar. Allerdings können sich Alkohole und Fruchtsäuren zu Estern verbinden und so den Geschmack im Laufe der Jahre verändern. Spirituosen sollten immer dunkel und ohne große Temperaturschwankungen lagern. Keramikflaschen sind die bessere Wahl als Glasflaschen - zumindest, wenn die Flaschen nicht gleich geleert werden.

11 – Cachaça und Aguardente sind das gleiche.
Die Vorschriften regeln wie ein Cachaça beschaffen sein muss. Dazu zählt, dass Cachaça maximal 48% Alkohol besitzen darf - Aguardente darf hingegen mehr...

12 - Cachaça darf nur in Brasilien hergestellt werden.
Cachaça darf ausschließlich in Brasilien hergestellt werden. Das ist mittlerweile international anerkannt. Sowas wie BIO-Cachaça aus Dresden ist irreführendes Marketing und genauso wenig existent wie Champagner aus Thüringen. 

KaDeWe Berlin - jetzt auch mit Cachaça artesanal


Das KaDeWe Berlin - eines der renommiertesten Kaufhäuser Deutschlands - erweitert sein Spirituosenangebot mit traditionell hergestelltem Cachaça. Endlich mögen die Enthusiasten sagen.

Die letzten Gattungen, die stark ausgebaut wurden, waren Gin und mit Abstrichen Tequila. Da Signale von Ermüdung zu erkennen waren und kein weiteres Wachstum erwartet wird, wird Platz geschaffen für neue Spirituosen, die auch dem Renommee des Hauses entsprechen.

So wurde die Brazil-Berlin Road Show genutzt, um Cachaça artesanal in der Feinschmecker-Etage zu verkosten. Zu den Sorten zählten Praianinha, Seleta, Avuá und Boazinha

Cachaça ist dabei nicht vollkommen neu im Angebot - nur der höherwertige Cachaça, der in Kupferbrennblasen destilliert wird und auch 4 mal so lange gärt, wie industrieller Cachaça steht jetzt auch im Regal. 

Das positive Echo führte zur Aufnahme der brasilianischen Nationalspirituose in das Sortiment.



Cachaça-Nachfrage stieg 2016 - setzt sich der Trend fort?



Das Instituto Brasileiro da Cachaça (IBRAC) feiert den Beginn des Jahres 2017 mit der Erhöhung der Cachaça-Exporte im letzten Jahr. 4,6% betrug der Absatzzuwachs - legt man den Umsatz zugrunde, dann betrug das Wachstum 7,9%.

Drinks International führt diese Zahlen auch auf die steigende Popularität der Caipirinha im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft und der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro zurück. Allerdings sei die Caipirinha noch fernab der Popularität eines Mojitos.

Trotz der steigenden Nachfrage ist Cachaça nach wie vor eine Nischenspirituose. Es darf vermutet werden, dass Cachaça in Zukunft allerdings mehr Bedeutung erlangen wird. Die Ursache dafür liegt in der steigenden Qualität und in der großen Vielfalt, die außerhalb Brasiliens noch kaum bekannt ist.
Brasilien wird die Export-Anstrengungen der brasilianischen Alambiqueiros unterstützen und Importeure wie JERICOA und Portale wie Casa Cachaça werden diese Bemühungen aufgreifen.

Im letzten Jahr legte der Brasilianische Real deutlich an Wert zu. Dies lässt befürchten, dass bei diesem Trend die Preise in Europa besonders für hochwertigen Cachaça steigen werden.

Ab Werk kostet ein Liter Ende 2016 rein rechnerisch 1,678 US$. Der beste Cachaça geht also nicht immer in den Export. Der billigste Stoff, der dann auch im Supermarkt zu finden ist, kostet nur ein Drittel dieses Durchschnittes. Das versteht man dann als billig und ist so ziemlich geschmacklos.
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